Archäologie in unserer Stadt

Archäologie der Schwerindustrie

Archäologie der Schwerindustrie

Industrieanlagen aus jüngerer Zeit gehören noch immer zu den Ausnahmen im Alltag von Archäologen und Bodendenkmalpflegern, obwohl sie angesichts der voranschreitenden Umnutzung Stück für Stück verlorengehen. Dabei ist der Bedarf groß, sich um diese Quellen unserer jüngsten Vergangenheit zu kümmern, denn viele Fragen lassen sich nur mit archäologischen Methoden klären.
In den letzten Jahren rückten die unterirdischen Relikte jüngerer Industrieanlagen zunehmend in das Blickfeld der archäologischen Denkmalpflege. In Essen erfolgten industriearchäologische Untersuchungen beispielsweise im Bereich der Krupp-Gussstahlfabrik. Im Gegensatz zu frühen industriellen Anlagen, die – in der Fläche überschaubar und zu Beginn der Untersuchung mehr oder weniger unbekannt - deutlich die Kriterien klassischer archäologischer Quellen erfüllen, sind Relikte der jüngsten Industriegeschichte weder alt noch unbekannt und in der Regel von erheblicher Ausdehnung.
Auch in denkmalpflegerischer Hinsicht bietet der Umgang mit den archäologischen Überresten der jüngeren Industriegeschichte besondere Herausforderungen. Falsch ist die verbreitete Vorstellung, Relikte seien umso wertvoller, je älter sie sind und die implizite Vermutung, junge Spuren im Boden wertlos. Dass jede archäologische Hinterlassenschaft – also auch Relikte der Schwerindustrie - unabhängig vom Alter, Informationen umfasst, die kein anderes Archiv enthält und daher Fragen beantworten kann, die auf andere Weise nicht zu klären sind, ist weitgehend unbekannt.
In Essen wurden beispielsweise zwischen 2001 und 2020 Baumaßnahmen auf dem Gelände der ehemaligen Friedrich-Krupp-Gussstahlfabrik archäologisch begleitet. Die Anfänge dieser Fabrik reichen in das Jahr 1811 zurück, als an der Walkmühle in Essen-Vogelheim die »Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikate« gegründet wurde. 1819/20 begann die industrielle Nutzung des Geländes an der Altendorfer Straße, westlich der Essener Innenstadt. 1912 nahmen die Industrieanlagen der Fabrik eine Fläche von nahezu 500 ha ein und wuchsen weiter. Zu Krupp gehörten nicht nur die eigene Stahlproduktion, sondern auch Zechen, Kokereien, eigene Bahnanlagen, Krankenanstalten und Arbeitersiedlungen. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wurden große Teile der Anlagen in der Nachkriegszeit demontiert und zerstört, sodass obertägig nur geringe Reste erhalten blieben. Umfangreiche Baumaßnahmen wurden von Beginn an archäologisch begleitet, industriearchäologische Zeugnisse soweit möglich dokumentiert. Dabei gelang es u.a. Überreste eines um 1850 gebauten  Hammerwerkes ebenso zu archäologisch zu dokumentieren, wie solche des so genannten »Probirhauses H«, in dem 1871 erstmals Stahl nach dem sogenannten »Siemens-Martin-Verfahren« erschmolzen wurde oder die eines um 1910 entstandenen Walzwerks. Ebenso konnten aber auch bis dahin unbekannte Luftschutzanlagen dokumentiert werden.
Aber auch bergbauliche Hinterlassenschaften wurden in der Vergangenheit mehr und mehr untersucht und unterstreichen die Bedeutung Essens als uraltes Revier.

Literturempfehlungen:
D. Hopp (Hrsg.) , Industrie. Archäologie.Essen. Industriearchäologie in Essen (Essen 2011)
D. Hopp (Hrsg.) Archäologische Spuren zum Bergbau in essen. Vom Steinbeil bis zur Grubenlampe (Essen 2019)

Link zur Archäologie der Stadt Essen www.essen.de

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„Aufgespürt – Neue Entdeckungen der Essener Stadtarchäologie“

Das Buch „Aufgespürt – Neue Entdeckungen der Essener Stadtarchäologie“ ist erschienen

Die Essener Stadtarchäologie hat seit 2015 zahlreiche neue Fundplätze aufspüren können und lädt alle Interessierten ein, diese in dem jüngsten und vorerst auch letzten Band mit zu entdecken.

Dieses neueste Buch der Stadtarchäologie steht in einer langen Tradition: 
Seit 1996 bis einschließlich 2019 fanden jährlich im Rathaus der Stadt Essen die Ausstellungen „Stadtarchäologie in Essen“ statt, in denen die wichtigsten Funde eines Jahres vorgestellt wurden. 2020 gab es erstmals, wegen Corona, keine Ausstellung und auch 2021 wird sie nicht stattfinden.
In Anlehnung an diese Ausstellungen wurden, etwa alle fünf Jahre, die wichtigsten Fundplätze, die in den Ausstellungen behandelt wurden, in Form kurzer Aufsätze in Sammelbänden, vorgelegt, die seither viele Liebhaber fanden: So erschienen 1999 „Stadtarchäologie in Essen“, 2004 „Angeschnitten“, 2009 „wieder-entdeckt“ und 2013 „Spuren – entdecken, lesen und verstehen“.

Der neueste Band sollte eigentlich bereits im Frühjahr dieses Jahres, gekoppelt an die 25. Ausstellung im Rathaus, erscheinen, Corona verzögerte aber dessen Fertigstellung.

Mit dem nun vorliegenden Berichtsband „Aufgespürt – Neue Entdeckungen der Essener Stadtarchäologie“, legt Stadtarchäologe Detlef Hopp zum letzten Mal Aktuelles aus der Stadtarchäologie vor. In dem Band wird auf 120 Seiten ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher Fundplätze vorgestellt: Neben steinzeitlichen, bronze- und eisenzeitlichen Siedlungen und Gräbern, werden auch Neufunde aus der römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter behandelt. Doch werden auch seit langem bekannte Funde modern interpretiert und zudem Aufgabenfelder für die Zukunft abgesteckt: 
Besonders die Archäologie der Moderne, die die jüngere Vergangenheit, das 19., 20. und das 21. Jahrhundert behandelt, fordert die Ruhrgebietsstätte – und so auch die Stadtarchäologie in Essen - immer mehr. 
Und so „graben“ heute Archäologen nicht nur vor Ort, sondern auch in Archiven. Sie nutzen zudem verstärkt modernste Erfassungsmethoden, aber erforschen dabei auch Texte, Fotos, Baupläne und viele andere Quellen.

Das Buch "Aufgespürt – Neue Entdeckungen der Essener Stadtarchäologie", Hrsg. Detlef Hopp, ist beim Klartext-Verlag erschienen und kostet 16,95€
 

Essen im Wandel – 100 Jahre Luftbilder

Essen im Wandel – 100 Jahre Luftbilder   >>> Link zur Broschüre

Vor über einhundert Jahren entstanden in Essen die ersten Luftbilder aus einem Zeppelin. Seit den 1920er Jahren wurden dann Luftbilder gefertigt, die als Senkrechtaufnahmen und als Schrägaufnahmen das Stadtgebiet vollständig erfassten.

Schon diese frühen Luftbilder zeichnen sich durch eine sehr hohe Qualität aus. Diese macht es möglich, mit modernen Methoden Veränderungen in der Landschaft genau zu betrachten. Luftbilder wurden auch in den 1930er Jahren, im 2. Weltkrieg und danach regelmäßig in fest vorgeschriebenen Zyklen erstellt. Sie zeigen, beeinflusst nur durch die Qualität der Kameras, ein direktes und nicht verfälschtes Abbild der Stadt. Diese wertvollen Luftbildarchiv, die großenteils beim Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster liegen, stehen Quellen der Wissenschaft zur Verfügung, die bisher kaum genutzt und neu zu entdecken sind.

Der Bochumer Luftbildarchäologe Baoquan Song und der Archäologe Detlef Hopp haben gemeinsam mit dem Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster ein Konzept entwickelt, diese wertvollen Quellen auch in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und so einer breiteren Nutzung zuzuführen.

Band 1 der neuen Reihe „Essen im Wandel“ stellt ausgewählte Orte der Schwerindustrie ihrer heutigen Gestalt gegenüber. Herausgeber der Reihe ist das Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster.

Die Hefte können beim Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster gegen Übersendung eines rückadressierten Freiumschlages oder auf Anfrage bezogen werden.

Link zur Broschüre