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Kulturlandschaft Deilbachtal

Das Deilbachtal im Essener Süden ist eine der interessantesten Kulturlandschaften des Ruhrgebietes. Es verfügt über eine fünfhundertjährige durchgängige Geschichte zunächst als landwirtschaftlich, dann aber auch sehr bald schon als industriell genutzter Naturraum. Als frühindustrielle Denkmallandschaft beschreibt es die Ursprünge der Eisen- und Metallindustrie im Ruhrgebiet und ist das Äquivalent zum Muttental in Witten, der Wiege des Ruhrbergbaus. Es ist aber auch das Äquivalent zur Zeche Zollverein, indem es zusammen die gesamte Spanne der Industrialisierung von den Anfängen bis zur Hochindustrialisierung auf Essener Boden beschreibt.

Das Deilbachtal ist aber auch eine der ältesten Museums- und Denkmallandschaften Deutschlands. Schon 1917 wurde der Betrieb des Deiler Eisenhammers aus Rentabilitätsgründen eingestellt, in der Folge aber nicht abgerissen, sondern in den Jahren 1936/37 in einer gemeinsamen Aktion verschiedener Beteiligter, darunter auch das damalige Ruhrlandmuseum, als „technisches Kulturdenkmal“ betriebsfertig wiederhergestellt und im Schaubetrieb der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zusammen mit dem Halbachhammer im Nachtigallental, der ein Jahr zuvor, 1936, nach Essen transloziert wurde, gehörte der Eisenhammer zu den ersten Beispielen der Industriekultur in Europa.

Schon in den 1980er Jahren wurden die Denkmäler des Deilbachtals vom damaligen Ruhrlandmuseum der Stadt Essen durch einen Rundwanderweg erschlossen und in einer ersten Ausstellung im Deilbachtal im Kutschenhaus dokumentiert. Seither werden im Deilbachtal regelmäßig Führungen und museumspädagogische Aktionen angeboten, auch in Verbindung mit anderen Außenstellen wie dem Geologischen Wanderweg am Baldeneysee oder dem Mineralien-Museum Kupferdreh, die das Ruhr Museum im Essener Süden betreibt.

Weitere Informationen gerne auch über

Konsortium-Deilbach(at)hv-essen.de

Das Ensemble links Arbeiterhäuser, mitte Meisterhaus verdeckt durch Bäume, rechts Hammergebäude. © Ruihr Museum
Ausschnitt der Karte von 1803/1806, Honigmann/Vogelsang. © Amt für Geoinformationen, Vermessung und Kataster
Stationen der Kulturlandschaft. © LVR, Kuladig

Geschichte zum Deilbachhammerensemble

Link zum Download der Denkschrift zur Wiedereröffung am 21.03.2026

1831 – 1844 – Deilbachhammer und erste Eisenbahn
Neue Forschungen deuten darauf hin, dass der Deilbachhammer zwischen 1831 und 1844 als eine Art »Bahnbetriebswerk « der Deilthaler Eisenbahn fungierte, der ersten Eisenbahn Deutschlands. Die 7,5 km lange schmalspurige Pferdebahn, initiiert von Friedrich Harkort, verband die Zeche »Ver. Himmelsfürster Erbstollen« mit Velbert-Nierenhof und diente der Kohleversorgung des Wuppertaler Raums. Pflasterreste, die um 2009 freigelegt wurden, bestätigen den Trassenverlauf zwischen Hammergebäude und Meisterhaus. In dieser Zeit wurde der Hammer u. a. um Werkstätten und eine in Deutschland einzigartige Stahlschere erweitert, die von einem Exzenter angetrieben wurde.

1911 – 1917 – Verkauf und Stilllegung
1911 erwarb die Bergische Elektrizitäts-Versorgungs-GmbH den Deilbachhammer. Nach einem Bruch der Hammerwelle wurde der Betrieb 1917 eingestellt.

1936 /1937 – Technisches Kulturdenkmal
Der verfallene Eisenhammer wurde 1936 / 37 durch eine gemeinsame Initiative von Industrie, Verbänden und öffentlicher Hand als technisches Kulturdenkmal wieder betriebsfähig aufgebaut. Zusammen mit dem Kruppschen Halbachhammer gilt er als frühes Modellprojekt der späteren Freilichtmuseen.

1960er–1980er Jahre – Stadt Essen und Sanierungen
In den 1960er Jahren ging das Ensemble in den Besitz der Stadt Essen über. Nach baulichen Problemen erfolgte Ende der 1970er Jahre eine umfassende Sanierung des technischen Inventars. Mitte der 1980er Jahre wurde die historische Stauanlage im Deilbach abgerissen. Da ein Wasserbetrieb nicht mehr möglich war, wurde auf Elektroantrieb umgestellt.

2002 – 2009 – Dokumentation und Einbindung in die Industriekultur
Ab 2002 fanden umfangreiche denkmalpflegerische Untersuchungen und Studien zur baulichen Sicherung statt. Seit 2004 ist der Deilbachhammer Bestandteil der Route der Industriekultur. 2009 wurde das Ensemble durch die Hochschule Bochum dreidimensional dokumentiert.

2011– 2013 – Neues Trägerkonstrukt und Bildung eines Konsortiums
2011 übernahm der Geschäftsbereich 4 der Stadt Essen (GB 4 – Kultur und Integration) die Koordinierung für das Deilbachtal. Nach einem gescheiterten Arbeitskreis wurde 2013 ein Konsortium gegründet, das am 17. Dezember 2013 offiziell seine Arbeit aufnahm. Ziel war die Entwicklung eines sich selbst finanzierenden Trägerkonstrukts bzw. einer Bürgerstiftung. In die »Kulturlandschaft Deilbachtal« sollte ehrenamtliches Engagement einfließen. In der Präambel des Gründungsdokuments heißt es: »Das Konsortium Deilbachtal wurde mit dem Ziel gegründet, die Kulturlandschaft Deilbachtal zu bewahren und nachhaltig weiterzuentwickeln. Es nahm am 17. Dezember 2013 offiziell seine Arbeit auf und vereint Akteure wie das Ruhr Museum, die Bürgerschaft Kupferdreh, den Verein IDEE e. V. sowie den Historischen Verein für Stadt und Stift Essen e. V.«der Erhalt und die Pflege der historischen Denkmäler im Deilbachtal,

Zu den Grundsätzen des Konsortiums gehören
der Erhalt und die Pflege der historischen Denkmäler im Deilbachtal
die Gründung einer Trägerschaft-Konstruktion,
die Förderung der Forschung zur frühindustriellen Geschichte der Region,
die Koordination von Restaurierungsmaßnahmen und kulturellen Projekten,
die Einbindung der Öffentlichkeit durch Bildungsangebote und Veranstaltungen.

Gründungsmitglieder
Bürgerschaft Kupferdreh e. V. Wolfgang Rüskamp und Otto Grimm
Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e. V. Hans Schippmann und Klaus Kaiser
IDEE e. V. Prof. Dr. Ulrich Borsdorf und Günter Samsel
Ruhr Museum Prof. Heinrich Theodor Grütter und Achim Mikuscheit

Heutige Mitglieder
Bürgerschaft Kupferdreh e. V. Ulrich Matenar und Jürgen Gentzmer
Verein Freunde und Förderer des Deilbachtals e. V. Achim Mikuscheit und Günter Samsel
Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e. V. Hans Schippmann und Klaus Kaiser
Ruhr Museum Prof. Heinrich Theodor Grütter und Dr. Axel Heimsoth

2014 – Gutachten und Grundsatzbeschluss
Das Konsortium ließ die ersten Gutachten erstellen, unter anderem bei der Schloss Raesfeld GmbH und dem Umweltbüro Essen, finanziert durch die Bezirksvertretung VIII und den Verein IDEE e. V. In der zweiten Jahreshälfte lagen die Ergebnisse vor. Die Gesamtkosten für die Instandsetzung des Deilbachhammers (ohne Wasserkunst) wurden zunächst mit rund 1,55 Millionen Euro angesetzt. Parallel dazu konnte eine neue Kooperation mit der Jugendhilfe Essen gGmbH eingerichtet werden, die eine berufliche Bildungsmaßnahme – Grünpflege im Deilbachhammer- Ensemble – umfasste. Am 26. November 2014 beschloss der Rat der Stadt Essen, die Kulturlandschaft Deilbachtal über fünf Jahre mit jährlich 100.000 Euro zu fördern.

2015 / 2016 – Fördermittel und Projektstruktur
2015 beantragte der Geschäftsbereich 4 mit dem Konsortium beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) Mittel zur Instandsetzung der Arbeiterhäuser; der LVR bewilligte für 2016 eine erste Förderung von 100.000 Euro. 2016 stellte die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (NRW-Stiftung) dem Verein IDEE e. V. 250.000 Euro für die Instandsetzung des Hammergebäudes zur Verfügung und sagte weitere Mittel für die Einwerbung von Komplementärmitteln zu. Die politisch Verantwortlichen der Stadt Essen ernannten den Geschäftsbereich 6A (GB 6A-Bauen) zum Bauherrn. Die Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH (GVE) wurde vom Geschäftsbereich 6A mit der Projektleitung beauftragt, die Bauleitung lag bei dem Architekten Andreas Holtkamp. Im August 2016 förderte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) die Maßnahme Meisterhaus mit insgesamt 340.000 Euro. Am 28. September 2016 beschloss der Rat einstimmig die Gesamt-Baumaßnahme Deilbachtal.

2017 – Instandsetzungsarbeiten am Hammergebäude
Mit den Instandsetzungsarbeiten am Hammergebäude, insbesondere des technischen Inventars des Hammers, wurde in der zweiten Jahreshälfte 2017 begonnen. Zudem starteten in Abstimmung mit der Denkmalbehörde die Maurerarbeiten für einen Rückbau – z. B. dem Durchbruch für eine Doppeltür – in der rechten vom Hof aus gesehenen Seite des Hammergebäudes.

2017 – Offizieller Baustart
Am 11. Juli 2017 erfolgte in Anwesenheit politischer Mandatsträger (Mitglieder des Rates, des Landtages und des Bundestages), von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Verwaltung, vieler Bürger und des Konsortiums der offizielle Baustart durch den Oberbürgermeister Thomas Kufen.

2018 – Richtfest
Zwischen Januar und März 2018 wurde der neue Dachstuhl errichtet. Am 17. März 2018 feierten das Konsortium Deilbachtal, die Grundstücksverwaltung Stadt Essen (GVE) und der Verein »Freunde und Förderer des Deilbachtals« bei Schneetreiben das offizielle Richtfest am Arbeiterhaus 25a des Eisenhammer-Ensembles. Das traditionelle Fest der Zimmerleute wurde mit Führungen durch die Gebäude verbunden, bei denen über den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten informiert wurde. Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen nahm am Richtfest teil. Er würdigte den Erhalt und die Instandsetzung des traditionellen Handwerks in Essen und betonte die Bedeutung des Ensembles als herausragendes Zeugnis der Frühindustrie. Besonders hob er die starke Gemeinschaft der beteiligten Akteure hervor und dankte allen Förderern, Sponsoren und Unterstützern für ihr engagiertes Mitwirken.

2019 – Unerwartete Herausforderungen
2019 wurden die Bereiche der historischen Wasserkünste und die gesamte Grundstücksfläche als Bodendenkmäler ausgewiesen, wodurch ab sofort die archäologische Begleitung aller Baumaßnahmen erforderlich wurde. Zudem stellte sich heraus, dass im Hammergebäude das hölzerne Hammergerüst aus den 1930er Jahren vollständig ersetzt werden musste. Ein Zusatzantrag bei der NRW-Stiftung wurde bewilligt. Für den Beginn der Maßnahme Meisterhaus erhielt das Projekt weitere Fördermittel aus dem Landesprogramm »Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen«. Am 5. Juli 2021 wurde der Verein »Initiative Denkmäler Essen erhalten« (IDEE) offiziell aus dem Vereinsregister gestrichen, da mit dem Beginn der Sanierung des Deilbachhammers das zweite Satzungsziel erreicht und mit dem Verein »Freunde und Förderer des Deilbachtals e. V.« ein Nachfolgeverein gegründet worden war. Das Hammergebäude wurde zudem erneut vollständig dokumentiert. Das Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster führte hierzu 3D-Laserscans und eine Drohnenbefliegung durch.

2021 – Hochwasser
Kurz vor Abschluss der Arbeiten an den Arbeiterhäusern führte das Hochwasser vom 14. auf den 15. Juli 2021 zu massiven Schäden an allen Gebäuden. Vorgefertigte Bauteile wurden zerstört oder fortgespült, darunter drei massive, ca. 1,5 Tonnen schwere Hammersäulen aus massiver Eiche. Oberbürgermeister Thomas Kufen verschaffte sich am 17. Juli 2021 unmittelbar vor Ort einen Eindruck von der Lage. Zwei Hammersäulen konnten geborgen werden, eine davon im Duisburger Hafen; die dritte wurde nur teilweise wiedergefunden. Trotz der erheblichen Rückschläge konnten dank des großen Engagements aller Beteiligten sowie zugesagter und bereitgestellter finanzieller Unterstützungen am 17. Oktober 2021 symbolisch die Schlüssel für die Arbeiterhäuser an Oberbürgermeister Thomas Kufen übergeben werden. Zum Jahresende 2021 musste das Projekt jedoch einen weiteren schweren Verlust hinnehmen: Der ehrenamtlich tätige Ideengeber, Anleiter, Motor und das Herz des Hammergebäudes – Gerdt Schraven – verstarb am 26. Dezember 2021. Er hinterließ eine große Lücke, die bis heute nicht geschlossen werden konnte.

2022 – Die große technische Herausforderung
Am 14. März 2022 begann der technisch anspruchsvolle Einbau der neuen Hammergerüste. Die aus Hammersäulen, Prellbalken und Schabotten bestehenden Konstruktionen wurden durch die Firma Nockemann GmbH Hagen mit schwerem Gerät in das Hammergebäude eingebracht, aufgestellt, ausgerichtet und montiert. Die Arbeiten wurden vom Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster mithilfe von 3D-Laserscandaten begleitet, um die exakte Positionierung sicherzustellen. Nach sieben intensiven Arbeitstagen waren die Einbauten abgeschlossen. Es folgten umfangreiche Feinarbeiten: Die Hammergrube wurde verfüllt, die Prellbalken mussten exakt ausgerichtet und unterfüttert werden, anschließend wurden die beiden Hämmer eingehängt und die mechanischen Abläufe aufeinander abgestimmt. Parallel wurden die Restarbeiten an den Arbeiterhäusern fortgeführt, darunter Vorbereitungen für die Heizungsanlage, neue Stromanschlüsse für das gesamte Ensemble, Sanitärinstallationen, Fliesenarbeiten sowie Datenleitungen. Die durch das Hochwasser beschädigten elektrischen Antriebe konnten nur eingeschränkt bzw. gar nicht mehr instand gesetzt werden. Da keine geeigneten Ersatzmotoren verfügbar waren, entschied sich das Konsortium für den Einsatz von Hydraulikmotoren. Diese Lösung war zwar kostenintensiver, bietet jedoch einen deutlich besseren Schutz vor künftigen Hochwasserereignissen. Im selben Jahr konkretisierte sich die zukünftige Nutzung des Ensembles: Das Hammergebäude wird als Außenstelle des Ruhr Museums genutzt; hier finden Schmiedevorführungen statt. Das Arbeiterhaus 25a soll als Bistro, das Arbeiterhaus 25b von der Museumspädagogik und vom Standesamt genutzt werden. Im Meisterhaus 25c entstehen Wohn- sowie Aufenthalts- und Veranstaltungsräume.

Als Ankermieter konnte hierfür zunächst das Franz-Sales-Haus gewonnen werden.

22. Oktober 2022 – Herbstfest
Am 22. Oktober 2022 konnten die Arbeiterhäuser und das Hammergebäude im Rahmen eines gut besuchten Herbstfestes offiziell an Oberbürgermeister Thomas Kufen übergeben werden. Anstelle eines symbolischen Schlüssels überreichte Klaus Kaiser, Konsortiumsmitglied und Geschäftsführer des Historischen Vereins, ein detailgetreues 3DModell des Hammergebäudes. Dieses Modell war vom Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster auf Grundlage von Laserscan- und Drohnenaufnahmen gefertigt worden.

2023 – Erste Trauung
Im Juli 2023 fand die erste Trauung im Deilbachhammer- Ensemble statt. Die Brautleute sowie ihre Familien und Freunde dekorierten liebevoll insbesondere das Arbeiterhaus 25b, wodurch ein stimmungsvoller Auftakt für die neue Nutzung des Ensembles entstand. Im Namen des Oberbürgermeisters überbrachte Bezirksbürgermeister Wilhelm Kohlmann die Glückwünsche.

2024 / 2025 – Ankermieter und Zeitplan
Am 16. Mai 2024 wurde der Nutzungsvertrag zwischen der Stadt Essen und dem Franz-Sales-Haus als künftigem Ankermieter vom Vorstand des FSH, Hubert Vornholt, und dem Oberbürgermeister Thomas Kufen unterzeichnet. 
Kurz danach verstarb Hubert Vornholt. Im Jahr 2025 erklärte das Franz-Sales-Haus nach Gesprächen mit der Immobilienwirtschaft, dass veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine Umsetzung des bereits geschlossenen Vertrages nicht mehr zuließen. Die für den 6. September 2025 geplante offizielle Übergabe des Ensembles musste unter anderem auch deshalb auf den 21. März 2026 verschoben werden.

2026 – Frühlingsfest und offizielle Übergabe des Ensembles an den Oberbürgermeister Thomas Kufen
Das Deilbachhammer-Ensemble wurde am Samstag, 21. März, im Rahmen eines Frühlingsfests feierlich seiner neuen Nutzung übergeben. Nach rund zehn Jahren intensiver Bau- und Restaurierungsarbeiten sei damit ein bedeutendes industriehistorisches Denkmal gesichert worden, betonte Oberbürgermeister Thomas Kufen bei der Veranstaltung. “Heute können wir mit Stolz sagen: Die Anstrengungen haben sich gelohnt”, so das Stadtoberhaupt in seiner Rede.

2026 – Neuer Mieter
Als neuer Nutzer bewarb sich der Beginen Hausprojekt e. V. aus Kupferdreh; ein Mietbeginn ist zum 1. Juli 2026 vorgesehen.

2026 – Neue Nutzung
Das kleine Arbeiterhaus mit der Hausnummer 25a ist vom Hotel Franz – Franz-Sales-Haus – als Bistro angemietet.
Das größere Arbeiterhaus mit der Hausnummer 25b wird gemeinsam vom Ruhr Museum für museumspädagogische Arbeiten sowie vom Essener Standesamt für Trauungen genutzt.
Im Meisterhaus mit der Hausnummer 25c ist der linke Teil im Erdgeschoss sowie die beiden Ober- und Dachgeschosse zu Wohnzwecken angemietet.
Der rechte Teil im Erdgeschoss dient dem Ruhr Museum als Multifunktionsraum.
Im Hammergebäude finden alle 4 Wochen Schmiedevorführungen statt. Die genauen Tage und Zeiten entnehmen sie bitte der Homepage vom Ruhr Museum.

2026 – Öffnungszeiten bzw. öffentlich zugängig
Von April bis Oktober ist das Gelände täglich (7 Tage/Woche) von 10:00 bis 18:00 Uhr zugänglich und natürlich an den Trautagen und zu den Schmiedevorführungen.

Weitere  Informationen zur Kulturlandschaft Deilbachtal, zu dem Meisterhaus, den Arbeiterhäusern und zum Deilbachhammer finden Sie auch auf der Internetseite der Stadt Essen „Historisches Portal Essen“ Deilbachhammer Ensemble.

Autor Klaus Kaiser

Der Vorstand des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen e.V. bedankt sich beim Ehrenvorsitzenden Hans Schippmann sowie beim ehemaligen Geschäftsführer Klaus Kaiser für 13 Jahre engagierte Mitarbeit im Konsortium, für die umsichtige Moderation, die intensive Arbeit sowie die Betreuung des Objekts „Deilbachensemble“.

Ausschnitt der Karte von 1831. © unbekannt
Nivellementplan. © unbekannt
Schmiedemeister und Gesellen im "Alten Hammer" in Kupferdreh um 1890. © Ruhr Museum
1926 Luftbid. © Amt für Geoinformation.Vermessung und Kataster
Das Ensemble um 1930. © Ruhr Museum
Deilbachhammer-Ensemble.© unbekannt
2017 Baustart mit Oberbürgermeister Thomas Kufen, dem Konsortium und politische Verantwortliche. © Elke Brochhagen, Stadt Essen
2018 Der Richtkranz am 17.03.2018. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2018 Richtfest. Der Oberbürgermeister, Thomas Kufen, schlägt den 1. Nagel ein. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2021 Hochwasser. © Ruhr Museum
2021 Hochwasser. © Erwin Wiemer
2022 Eine Hammersäule wird eingeschoben. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2022 Die 1. Hammersäule ist im Gebäude.© Kaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2022 Einbau mit vermessungstechnischer Unterstützung. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2023 Die 1. Trauung. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2023 Die 1. Trauung, Trauraum. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Klaus Kaiser, 2. v.l. übergibt dem Oberbürgermeister 4.v.l. symbolisch den Schlüssel. © Robert Welzel
v.r.n.l.Oberbürgermeister Thomas Kufen und das Konsortiumsmitglied Klaus Kaiser vom Historischen Verein © Robert Welzel

Die Arbeiterhäuser

Das Arbeiterhaus bestand ursprünglich aus zwei getrennten Gebäuden, die erst im Laufe der Zeit zu einem gemeinsamen Baukörper zusammengeführt wurden. Diese Entwicklung prägte das Gebäude bis heute und war sowohl außen als auch im Inneren gut erkennbar.

Der ältere, links gelegene Teil des Arbeiterhauses (Hausnummer 25a) war nachweisbar zumindest schon um 1803 / 1806 vorhanden. Er wurde in Mischbauweise aus Sandstein und Ständerwerk errichtet, besaß zwei Geschosse und war nur teilweise unterkellert. Typisch für diesen Gebäudeteil waren die kleinteiligen Räume und die niedrigen Deckenhöhen, die einen Eindruck von den damaligen Wohnverhältnissen vermittelten.

Besonders anschaulich zeigte sich die Bauweise in den Wandfüllungen des Fachwerks. Hier kamen verschiedene Materialien zum Einsatz, die im Deilbachtal leicht verfügbar waren: Holz, Lehm, Ruhrsandstein und Ziegel. Diese Mischung erzählt von der regionalen Baukultur und vom pragmatischen Umgang mit vorhandenen Rohstoffen.

Erweiterung im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert wurde das Arbeiterhaus nach Norden erweitert. Dieser zweite Gebäudeteil entstand vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau der Deilthaler Eisenbahn zwischen 1831 und 1841. Im Gegensatz zum älteren Gebäude wurde er massiv aus Ruhrsandstein errichtet, war eingeschossig und nicht unterkellert. Hohe Decken und große Fenster lassen auf eine gewerbliche Nutzung schließen. Eine Quelle aus dem Jahr 1881 bezeichnete diesen Gebäudeteil als »Schreinerei«. Bei der ersten baulichen Untersuchung 2002 durch die Schloss Raesfeld GmbH fanden sich Hinweise auf den früheren Einsatz von Maschinen. Da für den Betrieb und die Instandhaltung der Eisenbahn sowohl Holz- als auch Metallarbeiten erforderlich waren, wird angenommen, dass dieser Bau zusammen mit einer benachbarten Schmiede das Hammergebäude ergänzte – möglicherweise als eine frühe Form eines Bahnbetriebsstandortes.

Zu einem späteren, heute nicht mehr genau bekannten Zeitpunkt wurden beide Gebäudeteile miteinander verbunden. Die Nahtstelle dieser Zusammenführung blieb an der Fassade sichtbar. Im Laufe der Zeit kamen weitere Anbauten hinzu, darunter ein kleiner, halb unterkellerter Raum mit Pultdach, ein Außenabort und ein Schuppen, die den praktischen Bedürfnissen der Bewohner dienten.

Wohnen und Verfall
Bis etwa zum Jahr 2000 wurden die Arbeiterhäuser zum Wohnen genutzt. Sie waren in zwei getrennte Wohneinheiten aufgeteilt, die jeweils eigene Zugänge besaßen. Vor allem im rechten Gebäudeteil wurde die ursprüngliche Raumstruktur durch zahlreiche Zwischenwände stark verändert, um möglichst viele kleine Räume zu schaffen.

Über viele Jahrzehnte fanden jedoch keine ausreichenden Instandhaltungsmaßnahmen statt. Der bauliche Zustand verschlechterte sich insgesamt zunehmend und besonders die Arbeiterhäuser zeigten deutliche Schäden. Um einen weiteren Verfall zu verhindern, wurden auf der Grundlage des Raesfeld-Gutachtens die Arbeiterhäuser von der Jugendberufshilfe entkernt. Dabei mussten die Gebäude mehrfach von außen abgestützt werden – sichtbare Zeichen für den dringenden Sanierungsbedarf.

Sanierung und neue Nutzung
Im Jahr 2016 wurde schließlich die umfassende Sanierung der Arbeiterhäuser genehmigt. Ziel war es, das Gebäude für eine kulturelle und touristische Nutzung zu öffnen. Die Planungen sahen vor, im linken Gebäudeteil ein Bistro einzurichten. Der rechte Teil sollte in Zusammenarbeit mit dem Ruhr Museum für Bildungs- und Vermittlungsangebote genutzt werden. Zudem war vorgesehen, einzelne Räume für standesamtliche Trauungen zu nutzen – ein Vorhaben, das auf einen politischen Beschluss zurückging.

Während der Bauarbeiten traten nach der Entkernung jedoch unerwartet erhebliche statische Probleme auf. Diese machten zusätzliche Untersuchungen und umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Unter fachlicher Begleitung wurden neue Abstützungen eingebaut und das statische Gesamtkonzept grundlegend überarbeitet. Dies führte zwar zu Verzögerungen, sorgte jedoch letztlich für eine nachhaltige Sicherung der historischen Bausubstanz.

Autor Klaus Kaiser

Die Arbeiterhäuser ©︎ Elke Brochhagen, Stadt Essen
Morsches Ständerwerk, eher Hängewerk. © KLaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Morsches Ständerwerk, eher Hängewerk. © KLaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2018 Neuer Dachstuhl. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2026 Das fertige Arbeiterhaus. © Christoph Sebastian Ruhr Musem

Der Deilbachhammer

Das Hammergebäude nimmt bei der Generalsanierung des denkmalgeschützten Gesamtensembles aus zwei Gründen eine Sonderrolle ein: Die Instandsetzung erfolgte ausschließlich mit Finanzmitteln der NRW-Stiftung, und die restauratorische und handwerkliche Herrichtung des Gebäudes sowie des historisch-maschinellen Inventars erfolgte – anders als bei den Arbeiterhäusern und dem Meisterhaus – in der Hauptsache durch ehrenamtliches Engagement und berufliche Bildungsarbeit durch die Werkstätten der Jugendberufshilfe Essen gGmbH, ergänzt um Firmenbeauftragungen.

Diese besondere Konstellation wurde durch den »Essener Konsens«, einer Allianz unterschiedlichster Wirtschafts-, Kultur- und Sozialakteure, in den 1990er Jahren ins Leben gerufen. Das erklärte Ziel war es, kommunale Projekte erfolgreich umzusetzen, die ein einzelner Akteur nicht hätte bewerkstelligen bzw. finanzieren können. Zu diesem Zweck wurde 1994 vom Ruhrlandmuseum Essen (heute Ruhr Museum) der gemeinnützige Förderverein »Initiative Denkmäler Essens erhalten« (IDEE) gegründet, der die notwendigen Geldmittel einwarb.

Im Rahmen dieses Vorhabens wurde der andere Essener Wasserhammer, der Halbachhammer, bei strikter Kostenneutralität für die Stadt Essen von 1994 bis 1998 mit einem Finanzvolumen von 2,2 Mio DM (!) generalsaniert. Seit 2000 wurden diese Arbeiten ehrenamtlich durch Gerdt Schraven (ehem. Forschungsleiter Krupp-Widia, †), Eitel Mantowski (ehem. Werksschmied auf Zollverein, †), Thomas Mantowski (Schweißfachingenieur) und Hans Hermann Oehler (Eisenhüttenfachmann, ehem. Betriebsdirektor der Fried. Krupp Hütten AG, Bochum, †) fortgeführt. Dieses war nur möglich durch eine effiziente Kooperation mit der Holz- und Metallwerkstatt der Jugendberufshilfe Essen gGmbH, deren Geschäftsführer Jochen Drewitz und Thomas Firnich zusammen mit den Ausbildungsleitern Johannes Große Rhode und Thomas Hegemann diese außergewöhnlichen Arbeiten auf höchstem handwerklichen Niveau vorbehaltlos unterstützten.

Die Instandsetzung des gesamten technischen Inventars des Deilbachhammers erfolgt seit 2017 auf der Grundlage dieser bewährten Kooperation. Der Förderverein IDEE e. V., der sich 2021 auflöste, fand in dem Verein »Freunde und Förderer des Deilbachtals e. V.« einen Rechtsnachfolger, der auch alle Verpflichtungen gegenüber der NRW-Stiftung übernahm. Dieser neue Verein, dessen Aufgabe die Weiterentwicklung des Deilbachtals ist, wird aktuell von dem ehemaligen Kulturdezernenten, Andreas Bomheuer, geleitet. Das ehrenamtliche Technikerteam wurde um Karl Otto Fuckert aus Kupferdreh (Modelltischler, Verfahrensingenieur) erweitert. Leider fand diese außergewöhnliche Arbeitskonstellation 2021 durch den plötzlichen Tod von Gerdt Schraven und die chronische Erkrankung von Karl Otto Fuckert ein abruptes Ende. Seither wird der ehrenamtliche Part durch Thomas Mantowski, Gerd Poth (Stahlbauschlosser und Industriemeister) und Gerald Lüdeke (Maschinenbauingenieur) zusammen mit weiteren Technikern / Ehrenamtlern aus dem Umfeld des Ruhr Museums fortgeführt.

Für die Instandsetzung des Hammergebäudes und seines technischen Inventars wurden mit Baubeginn 2017 drei Bereiche definiert: erstens die Reste der ehemaligen Wasserkunst außerhalb des Gebäudes, zweitens das aufstehende historische Gebäude und drittens dessen historisches, maschinelles Inventar.

Die Arbeiten zu den Punkten 1 und 2 erfolgten zu großen Teilen durch Firmenbeauftragungen. Die Instandsetzung des historischen Inventars dagegen erfolgte auf ehrenamtlicher, ingenieurstechnischer Planung durch Gerdt Schraven und Karl Otto Fuckert. Die handwerkliche und restauratorische Arbeit ging auf ihren ehrenamtlichen Einsatz vor Ort zurück, begleitet durch die Werkstätten der Jugendberufshilfe gGmbH und durch Auftragsvergaben an hochspezialisierte Firmen.

Die Wasserkunst
Die zum Betrieb des Deilbachhammers notwendige Wasserkunst – Aufstau, Oberwassergraben, System von Schützanlagen zum Betrieb der beiden Wasserräder, Unterwassergraben – ist seit den 1960er Jahren nur noch in Rudimenten vorhanden. Mit der Besitzübernahme des gesamten Ensembles durch die Stadt Essen wurde seinerzeit entschieden, die ehemaligen »Wasserkünste« aufzugeben, den Oberwassergraben durch einen Damm abzuriegeln und den ersten Teil des unterirdischen Unterwassergrabens abzureißen, zu verfüllen und durch einen Pumpensumpf zu ersetzen.

Eine vom »Konsortium Deilbachtal« 2014 in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie zum Gewässer und zur Landschaft (umweltbüro essen Bolle und Partner GbR) erbrachte, dass eine Wiederherstellung der ehemaligen Wasserkünste und damit ein erneuter Wasserbetrieb technisch machbar, aber mit enormen Kosten verbunden wäre. Von daher wurde seitens des Konsortiums entschieden, diesen Aspekt im Rahmen der angedachten Arbeiten zunächst auszuklammern. Die vorgefundenen wasserbautechnischen Reste in unmittelbarer Nähe zum Hammergebäude sollten aber instandgesetzt und ehemalige betriebstechnische Aspekte sicht- und nachvollziehbar gemacht werden.

Vorteich und wasserbautechnische Einrichtungen Der vorhandene Vorteich ist heute durch einen Damm zum Oberwassergraben und zum Deilbach hin abgeriegelt. Die Sohle des Teiches wurde im den 1960er Jahren mit Pflastersteinen ausgelegt.

Im Vorteichbereich wurden drei nicht mehr vorhandene Schützanlagen nachgebaut. Mit deren Hilfe konnte man ursprünglich die beiden Wasserräder ansteuern bzw. bei geschlossenen Schützanlagen das vom Oberwassergraben zugeführte Wasser über den Vorteich direkt wieder dem Deilbach zuführen. Das Hauptschütz wurde historisch von zwei massiv in Natursteinen aufgemauerten, viertelkreisförmigen Seitenwangen eingefasst. Diese in den 1960er Jahren abgerissenen Seitenwangen wurden für den Einbau des Hauptschützes nach Statikervorgaben wieder neu aufgebaut. Die Seitenwangen haben aus Stabilitätsgründen einen Betonkern, sind durch ein armiertes Betonfundament miteinander verbunden und mit Natursteinen verkleidet (Ausführung: Fa. Baugeschäft Gebrüder Möller, Essen). Das in massivem Eichenholz ausgeführte Hauptschütz sitzt in führenden U-Profilen aus Edelstahl und kann manuell über eine Kurbel und ein Zahnstangengetriebe geöffnet und geschlossen werden. Die beiden ebenfalls in Eichenholz gefertigten Steuerungsschütze für die Wasserräder werden vom Gebäudeinneren durch lange Hebelstangen betätigt (Berechnung, Planung und Bau: Gerdt Schraven, Karl Otto Fuckert, Holz- und Metallwerkstatt der JBH).

Zum Schutz vor Treibgut ist vor dem Wasserrad der Hammerwelle ein Rechen aus schmiedeeisernen Stangen installiert, die beweglich und verschiebbar auf eine Führungsschiene in einem Winkel von ca. 45 Grad gegen die ehemalige Fließrichtung des Wassers aufgesetzt sind.

Rechen und Führung wurden gereinigt und oberflächenversiegelt (Metallwerkstatt der Jugendberufshilfe gGmbH). Im Bereich des Rechens gibt es eine schmale Arbeitsbühne aus Stahl über den Oberwassergraben, mit einem Handlauf als Absturzsicherung und eingelegten Eichenbohlen als Auftrittsfläche. Diese Bühne wurde komplett rekonstruiert und mit einem neuen Schutzanstrich versehen (Werkstatt für Metallgestaltung Stratmann GmbH).

Das aufstehende historische Gebäude
Die Instandsetzungsarbeiten am historischen Gebäude wurden weitestgehend durch Fachfirmen erledigt. Kostengründe gaben den Ausschlag, den hölzernen Dachstuhl lediglich zu stabilisieren und mit neuen Pfannen und Strohdocken auszustatten. Sichtbar ist dies am Dachfirst, der durch Materialsenkungen nicht in einer linearen Bauhöhe, sondern in geschwungener Form verläuft. Im jüngeren Gebäudeteil wurden dabei aus statischen Gründen Zuganker zur Stabilisierung des Dachstuhls eingezogen.

Als eine der ersten Maßnahmen wurde dem aus Naturstein aufgemauerten Kamin der Hauptesse im älteren Gebäudeteil eine abdeckende Meidingerscheibe aus Metall aufgesetzt, um den ungehinderten Regeneintrag in die historischen Essen zu unterbinden. Zugleich wurden schadhafte Fugen im Außenbereich des Kaminkörpers ausgebessert.

Der umfänglichste Eingriff in die Gebäudehülle des Hammergebäudes bestand in dem Wiedereinbau einer zweiflügeligen hofseitigen Toranlage in den jüngeren Gebäudeteil. Ohne diese Toranlage wären größere Werkstücke kaum in das Gebäude zu bringen gewesen. Die Schwierigkeit des Rückbaus der Toranlage bestand darin, im Kopfbereich die auflagernden Lasten des Dachstuhls durch einen Stahlträger aufzufangen und abzuleiten (Fa. Baugeschäft Gebrüder Möller, Essen). Die Toranlage aus Eichenholz selber wurde in der bewährten Arbeitsgemeinschaft Schraven / Fuckert / Jugendberufshilfe gefertigt und auch eingebaut. Der denkmalgerechte Anstrich in Leinöl erfolgte durch Wilhelm Termeer (ehemals Ausbildugsleiter bei der Jugendberufshilfe gGmbH). Die Gebäudeabdeckung, vor, hinter und über dem Wasserrad der Hammerwelle, die aus Gründen einer notwendigen Reparaturzugänglichkeit zur Hammerwelle und dem Wasserrad demontierbar aus überlappenden Eichenbrettern ausgeführt ist, wurde von dem Team Schraven / Fuckert / Jugendberufshilfe neu angefertigt und montiert.

Im jüngeren Gebäudeteil war der Rauchgasabgang der Doppelesse auf einer Seite durch einen massiv geschädigten Eichenholzbalken, auf dem der Kaminkörper auflagert, einsturzgefährdet. Der Kaminkörper musste statisch aufwendig abgestützt werden, damit anstelle des Balkens ein Stahlträger eingezogen werden konnte (Fa. Baugeschäft Gebrüder Möller, Essen).

Die gröbsten Verfugungsschäden im Bruchsteinmauerwerk des gesamten Hammergebäudes wurden von der Essener Arbeit Beschäftigungsgesellschaft mbH (EABG) unter fachlicher Anleitung des Restaurators und Maurermeisters Wilfried Knepper (Bauhütte Knepper, Dortmund) denkmalgerecht instandgesetzt.

Das historische maschinelle Inventar
Die ehrenamtlich tätigen Maschinenbau- / Verfahrensingenieure Gerdt Schraven und Karl Otto Fuckert waren die tragenden Kräfte bei der Planung und auch der handwerklichen Umsetzung der Instandsetzung des historisch technischen Inventars des Deilbachhammers. Dabei wurden sie auf höchstem fachlichen Niveau von der Holzwerkstatt und der Metallwerkstatt der JBH gGmbH unterstützt. Ergänzt wurde diese Arbeitsgemeinschaft durch Fachfirmen, die komplexere Aufgaben übernahmen.

Hammerwelle / Wasserrad und Hammergerüst Die in den 1970er Jahren durch die Fachfirma Ing. Gerd Nockemann aus Hagen gebauten Wasserräder der Hammer- und Luftwelle waren zu Baubeginn 2017 schon nicht mehr vorhanden. Aus Kostengründen hatte man seinerzeit als deutschlandweites Pilotprojekt die Hammerwelle schon nicht mehr in Massivholzweise gebaut, sondern als öl- / granulatgefüllten Stahlzylinder ausgeführt, den man mit den Resten der alten Holzwelle umplankt hatte. Dieses Bauprinzip hat sich bis heute bewährt. Damals waren Wasserrad und Hammerwelle als bauliche Einheit in Hagen gefertigt und als Ganzes in minutiöser Präzisionsarbeit in das Gebäude eingelassen worden. Da dieses Vorgehen nicht mehr möglich war, wurde von Gerdt Schraven eine neue Konstruktion entwickelt: ein sogenanntes »Armgeviertrad«, das aus mehr als 800 Einzelteilen besteht und vor Ort auf die vorhandene Welle montiert werden kann. Dieses Bauprinzip hat den Vorteil, dass man es jederzeit zu Reparaturarbeiten zerlegen und wieder zusammenbauen kann. Das Eichenholz für das gesamte technische Inventar und insbesondere die Wasserräder stammt aus Essener Wäldern und ist eine Spende von Grün und Gruga (Roland Haering, Leiter der Forstverwaltung). Der Abtransport und erste Zuschnitt der Hölzer am Sägegatter erfolgte nach Vorgaben von Gerdt Schraven durch die Firma Holz Harald Reuter, bevor alle Bauteile in der Werkstatt der JBH weiter- und endbearbeitet wurden. Beide Wasserräder wurden zunächst in der Werkstatt der JBH komplett zusammengebaut, um die präzisen Maßhaltigkeit aller Bauteile zu überprüfen. Danach wurden sie wieder in alle Einzelteile zerlegt, um sie später im Deilbachhammer einzubauen.

Noch vor dem Bau des Wasserrades wurde die Hammerwelle von den Resten der Holzbeplankung aus den 1970er Jahren befreit und mit neuen Eichenholzplanken versehen (Schraven / Fuckert / Jugendberufshilfe). Dabei stellte sich heraus, dass die auf die Welle aufgekeilte Exzenterscheibe nicht betriebssicher form- und kraftschlüssig zu fixieren war. Aus diesem Grund wurde sie neu ausgerichtet und mittels einer angeschweißten Hilfskonstruktion rutschfest mit der Welle verbunden. Die durch die Exzenterscheibe erzeugte Unwucht der Welle wurde durch den Einbau von Zusatzgewichten im Inneren des Wasserrades vollständig beseitigt. Die neue Beplankung wurde mit justierbaren Spannbändern auf der Welle fixiert.

Nach dem Einbau des Wasserrades auf der Hammerwelle wurde diese in ihren Lagern ausgerichtet. Im nächsten Schritt wurden die beiden Schwanzhämmer für erste Testläufe wieder provisorisch in das alte Hammergerüst eingebaut. Bei den Erprobungsläufen stellte sich heraus, dass der alte Antrieb über einen Elektromotor nebst Getriebe und drei Friktionsriemen nicht genügend Reibung zum Antrieb der instandgesetzten Welle aufbrachte. In der Konsequenz wurde die Riemenscheibe um zwei weitere Elemente erweitert. Zum Antrieb wurde noch die alte E-Motoreinheit verwendet, für die allerdings eine justierbare Spanneinheit für einen maximierten Riemenzug gebaut wurde.

Bei den Testläufen erhärtete sich der Verdacht, dass das Hammergerüst aus den 1930er Jahren möglicherweise den Betriebsbelastungen nicht mehr gewachsen sein könnte. Kernbohrungen durch eine Spezialfirma (ConExArt – Melanie Dropmann & Tobias Dropmann-Fischer GBR) an allen drei tragenden Säulen des Hammergerüstes zeigten, das alle Bauteile nur noch im äußeren Randbereich stabil, im Kern aber durch aufsteigendes Grundwasser verrottet waren und eine Gefahr für den angedachten öffentlichen Schaubetrieb darstellten.

Die Untersuchung stellte unmissverständlich klar, dass das alte Hammergerüst ersetzt werden musste. Da Eichenholz mit solchen Querschnitten heute auf dem Markt kaum mehr verfügbar ist, entwickelten Gerdt Schraven und Karl Fuckert die Idee zu einer Verbundkonstruktion. Dabei wurden vier Eichenholzsegmente durch Zugstangen und Spannbänder form- und kraftschlüssig zu einer Einheit verbunden. Diese Segmentkonstruktion entspricht in ihren äußeren Abmessungen und der physikalischen Belastbarkeit einer Massivausführung.

Durch ein erneutes Entgegenkommen von Grün und Gruga konnten kurzfristig die notwendigen Eichenhölzer beschafft werden. Für die Bearbeitung dieser extrem großen und schweren Holzsegmente wurde die Zimmerei Michael Potztal-Keuter, Essen gewonnen, auf deren Bauplatz die Einzelteile auf Maß gesägt und zusammengebaut wurden. Da es keine Dokumentation zu dem alten Hammergerüst aus den 1930er Jahren mit seinen drei massiven Eichensäulen gab, konnte die Bauhöhe der neuen Säulen nur geschätzt werden. Die beteiligten Planer legten sich auf der Grundlage von statischen Überlegungen auf eine Einbautiefe von 350 cm fest, wobei die beiden äußeren Säulen in ihren Querschnitten (68 x 60 cm) ein wenig kleiner dimensioniert waren als die Mittelsäule (68 x 79 cm). Die neuen Säulen wiesen dabei das stattliche Gewicht von 1,28 bzw. 1,69 Tonnen auf.

Da die neuen Bauteile möglichst lange halten sollen, wurde mit den Stadtwerken Essen AG (Jörg Kaltenpoth) die Idee eines unter dem Einbauort der Säulen zu installierenden Pumpensumpfes entwickelt, um das ständig anfallende Grundwasser abzupumpen und von den neuen Säulen fernzuhalten.

Der Ausbau des alten Hammergerüstes konnte nur in extrem aufwendiger Handarbeit bewältigt werden. Um den Ausbau ohne Gefahr durchführen zu können, musste aber zuerst die tonnenschwere Hammerwelle mit einer massiven stählernen Hilfskonstruktion, die nahezu den gesamten Innenraum einnahm, »schwebend« gesichert werden. Ohne diese Sicherung wäre die Baugrube durch das punktuell auflastende hohe Gewicht einsturzgefährdet gewesen.

Zur Vorbereitung der Ausbauarbeiten wurden die Einbaumaße des alten Gerüstes in allen Parametern vom Vermessungsamt der Stadt Essen (Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster) mit modernster Technik präzise dokumentiert. Ergänzend erfolgte eine Dokumentation über ein Schnurgerüst. Nach langem Suchen fand sich ein einziges Unternehmen (!), das bereit war, diese Tiefbauarbeit auszuführen. Von der Firma Perplies-Kanal-Technik GmbH wurde das alten Hammergerüst nebst zwei horizontal eingelassenen massiven Prellhölzern und einer Hammerschabotte in Handarbeit sukzessive in Teile zerlegt und ausgebaut.

Da der Baubereich als Bodendenkmal ausgewiesen ist, wurden alle Arbeiten von einem Team der Firma »Archäologie am Hellweg eG« mit Hilfe von Fotogrammetrie- und Laserscanverfahren dokumentarisch begleitet. Das ganze System des Hammergerüstes war ursprünglich lagenweise von Lastverteilungs- und Stützhölzern sowie Steinpackungen stabilisiert. Beim Ausbau stellte sich heraus, dass die alten Säulen 72 cm kürzer waren als die geschätzte Länge der neuen Säulen, die entsprechend gekürzt wurden. Im nächsten Schritt wurden unterhalb der ehemaligen Standfläche der drei Hammersäulen perforierte Rohre verlegt, die das zufließende Grundwasser in einen neu installierten Pumpenschacht abführen. Als Standfläche für die neuen Säulen wurde im nächsten Schritt ein Betonplanum gegossen.

Für den Einbau des kompletten neuen Hammergerüstes konnte die Firma Nockemann GmbH (ehemals Ing. Gert Nockemann) aus Hagen gewonnen werden, die die gesamte Technik nicht nur aus den 1970er Jahren kannte, sondern auch über das Know-how und die dafür notwendigen Spezialmaschinen verfügte.

Unmittelbar vor dem Einbau der Hammersäulen wurde das Deilbachtal am 14. Juli 2021 von einem Hochwasser bis dato nicht gekannten Ausmaßes heimgesucht. Das Hammergebäude stand bis zum Dachfirst unter Wasser; alle neu angefertigten Bauteile inklusive der drei Säulen des neuen Hammergerüstes, die im Hof zum Einbau gelagert waren, wurden von der Flut weggeschwemmt oder zerstört. Es sollte fast über ein Jahr dauern, bis der Schlamm aus dem Gebäude ausgetragen, alles aufgeräumt, alle Schäden erfasst und Zerstörtes wiederhergestellt werden konnten.

Erst danach konnte die Firma Nockemann mit dem Einbau des neuen Hammergerüstes beginnen. Die Arbeiten wurden zudem durch den plötzlichen Tod des »Chefplaners« Gerdt Schraven und die aus gesundheitlichen Gründen nur noch bedingte Verfügbarkeit von Karl Fuckert erschwert. Nur mit Hilfe von Spezialmaschinen und akribisch organisierten Arbeitsabläufen konnten das neue Hammergerüst, die beiden Prellbalken und eine neue Schabotte eingebaut und präzise für die vorgegebenen Betriebsabläufe ausgerichtet werden. Die neue Schabotte wurde ebenfalls in Verbundtechnik ausgeführt und ist mit einem massiven Zapfen mit dem untersten Bauteil der alten Schabotte verbunden. Die drei neuen Hammersäulen wurden im Fuß und Kopfbereich über Metallbandagen und aufgeschweißte Winkeleisen zusätzlich fixiert. Danach wurden durch die Firma Perplies-Kanal-Technik GmbH, Essen – wie vorgefunden – zusätzliche massive Kantholzabstrebungen zur horizontalen Abstützung des gesamten Gerüstes und der neuen Schabotte eingebracht. Abschließend wurde die Baugrube mit Füllmaterial in definierter Körnung aufgefüllt und verdichtet.

In einem letzten, nunmehr wieder ehrenamtlichen Arbeitsschritt wurden über längere Zeit hinweg die beiden Hammerstiele nebst schlagverstärkenden Prellelementen aus Gusseisen eingebaut, die ganze Anlage in allen Arbeitsbezügen neu ausgerichtet sowie alle Keilverbindungen gesetzt und überprüft. Dabei mussten u. a. die mit der Hammerwelle verschweißten Nocken aufwendig bearbeitet werden, um einen gleichmäßigen Eingriff auf das Ende der Hammerstiele zu gewährleisten. Diese Arbeiten wurden von Thomas Mantowski, Gerd Poth und Gerald Lüdeke mit weiteren ehrenamtlich Beteiligten ausgeführt.

Bei Probeläufen stellte sich heraus, dass der alte, von der Flut beschädigte E-Antrieb der revidierten Anlage nicht mehr gewachsen war. Als Ausweg und Lösung wurde von Thomas Mantowski vorgeschlagen, einen wesentlich effizienteren Hydraulikantrieb zum Antrieb der Hammer- und Luftwelle zu installieren. Diese Technik hat zum einen den Vorteil, ein extrem hohes Drehmoment bei bereits niedrigsten Drehzahlen zu entwickeln, zum anderen kann ein nicht auszuschließendes erneutes Hochwasserereignis wie in 2021 der komplett geschlossenen und gekapselten Anlage keinen Schaden zufügen.

Die wesentlichen Bauteile (Hydrauliktank, Antriebsmotor) wurden zudem auf einer aufgeständerten Konsole weitestgehend hochwassergeschützt im Dachbereich des Gebäudes installiert. Von dort aus führen die von ihrer Bauausführung kleinen, nahezu unsichtbaren Hydraulikleitungen zu den Eingriffspunkten an Hammer- und Luft- welle. Die Kraftübertragung geschieht über jeweils einen hydraulischen Eingriffsmotor. Bei der Hammerwelle erfolgt dies auf der Stirnseite außerhalb des Gebäudes mittels eines Zahnrades und eines Innenritzels. Bei der Blasebalganlage geschieht die Kraftübertragung über ein Ritzel auf der Schleifsteinwelle, die über Zahnräder mit der Hauptwelle zum Antrieb des Blasebalges verbunden ist.

Mit der ortsansässigen Fa. HK Hydraulik GmbH konnte ein Unternehmen aus dem Stadtteil gewonnen werden, das bereit war, den hydraulischen Teil der Anlage als Unikat zu bauen; das Ruhr Museum übernahm die deutlich höheren Kosten. Die aufwendige elektrische und elektronische Ansteuerung der Hydraulik wurde ehrenamtlich von Thomas Mantowski und Gerald Lüdeke entwickelt und gebaut.

Wasserrad, Luftwelle und Blasebalganlage
Vom Wasserrad der Luftwelle waren 2017 zu Baubeginn nur noch Reste der Achse vorhanden. Analog zum Wasserrad der Hammeranlage wurde das Wasserrad und die Welle der Luftanlage ebenfalls in der Werkstatt der JBH komplett neu gefertigt und von Gerdt Schraven und Karl Fuckert vor Ort eingebaut. Historische Fotos belegen, dass in den 1920er Jahren die Welle des Wasserrades über ein Zahnrad einen großen Schleifstein angetrieben hatte. Auch diese Zusatzeinrichtung konnte durch den Einbau eines neuen Schleifsteins berücksichtigt werden.

Es ist nicht belegt, wann und durch wen die Anlage des Zwillingsblasebalgs in der Vergangenheit im Dach eingebaut wurde. Eine Überprüfung des alten Leders ergab, dass es brüchig, undicht und nicht mehr verwendbar war. Der alte Lederbesatz wurde von Karl Fuckert in Handarbeit unter räumlich extrem beengten Arbeitsbedingungen abgezogen und dem Ruhr Museum als Belegobjekt übergeben.

Ein Lederunternehmen in Mülheim a. d. Ruhr (Fa. Meurer Industrial Products GmbH) konnte das notwendige neue Spezialleder liefern und half auch beratend beim Aufziehen auf den hölzernen Baukörper.

Neben der historischen Blasebalganlage war bereits in den 1930er Jahren ein Elektrogebläse zum Betrieb der beiden Essen im älteren Teil des Hammergebäudes eingebaut worden. Da dieser Gebläsemotor von der Flut 2021 zerstört wurde, musste ein neues Gebläse installiert werden.

Schmiedeessen im älteren Teil des Hammergebäudes Im älteren Teil des Hammergebäudes gibt es zwei Essen mit einem gemeinsamen Rauchabzug. Für Schauvorführungen seit den 1930er Jahren wurde offensichtlich nur die linke Esse verwendet. Da der Erhaltungszustand beider Essen sehr schlecht war, wurde die horizontale Arbeitsebene neu mit Ruhrsandsteinplatten ausgelegt. Die linke Esse wurde für den Vorführbetrieb mit feuerfesten Schamottsteinen im Lehmverbund ausgekleidet. Die rechte Esse wurde lediglich gesäubert. Die Instandsetzungsarbeiten erfolgten ehrenamtlich durch Dirk Sackers.

Schmiedeessen im jüngeren Teil des Hammergebäudes
Im jüngeren Teil des Hammergebäudes gibt es ebenfalls eine Doppelesse mit einem gemeinsamen Rauchabzug. Die bei Baubeginn vorgefundene Situation belegt, dass beide Essen weder in den 1930er noch in den 1970er Jahren Beachtung fanden und auch nie restauriert wurden. Im Mauerwerk der linken Esse versteckt, wurde eine aus massivem Gusseisen bestehende alte und originale Luftdüse gefunden. Nach Vorbild dieser Düse wurden zwei neue Düsen zum Betrieb dieser Essen angefertigt. Die beiden Essen werden mit einem im Dachbereich installierten Gebläse über Rohrleitungen mit Luft versorgt. Der Feuerraum beider Essen wurde für den zukünftigen Schaubetrieb im Boden- und Seitenbereich mit feuerfesten Schamottsteinen ausgekleidet.

Rückbau des unterirdischen, wasserabführenden Kanals des Wasserrades der Luftwelle
Bei der Übernahme des Denkmalensembles durch die Stadt Essen wurde in einer ersten Baumaßnahme die als Tonnengewölbe ausgebildete, unterirdisch verlaufende Hauptentwässerung des Wasserrades der Hammerwelle auf einer Länge von 30 Metern abgerissen und verfüllt. Der in einem Bogen ebenfalls unterirdisch verlaufende Abwasserkanal des Wasserrades der Luftwelle war damit zugleich seiner originärer Funktion beraubt. Der Querschnitt dieses Kanals war kleiner, er hatte Seitenwangen aus aufgemauerten Ruhrsandsteinen und massive Kopfplatten aus Stein als Abdeckung. In einem Teilbereich waren anstelle der Kopfplatten Eisenbleche zur Abdeckung eingesetzt. Diese konnten abgenommen werden, um den Kanal bei Bedarf zu reinigen. Im Laufe der Zeit waren diese Bleche durchgerostet und entfernt worden, so dass der Kanal mit seinem stehenden Brackwasser an dieser Stelle sichtbar war und eine Gefahrenstelle bei öffentlichen Vorführungen darstellte.

Um einen Abfluss des Brackwassers zu gewährleisten, sollte der Kanal wieder durchgängig gemacht werden. Auf fachliche Beratung der Stadtwerke Essen AG (Jörg Kaltenpoth) hin wurde in den historischen Kanal ein Kunststoffrohr eingezogen und mit dem vorhandenem Pumpensumpf verbunden. Das Kunststoffrohr wurde von seinen Abmessungen so dimensioniert, dass auch ein Wasserbetrieb wieder möglich werden könnte. Die extrem aufwendige Arbeit wurde von der Fa. Perplies-Kanal-Technik GmbH, Essen ausgeführt. Der offen liegende Revisionsbereich des Kanals im älteren Gebäudeteil wurde abschließend großflächig mit begehbaren historischen Sichtgitterabdeckungen belegt, die einen Blick in das historische Gewölbe ermöglichen (Gerd Poth, Ehrenamt). 

Nachbemerkung und Ausblick
Es ist eine Illusion zu glauben, dass mit der Generalsanierung eines historischen Technikdenkmals die Bauerhaltung auf Jahrzehnte ausgesetzt werden kann. Schon 2002 hat der mit der Sanierung der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein bekannt gewordene Architekt Hans Krabel † (BDA, DWB) angeregt, im Sinne des angelsächsischen »national trust« einen »local trust« oder eine »Bauhütte« für den fortlaufenden Bauerhalt des Deilbachhammers wie auch des Halbachhammers zu gründen. Das Ruhr Museum hat im Gefolge des »Essener Konsenses« weit über 30 Jahre eine solche ehrenamtliche Kompetenzeinrichtung verfügt. Dem Deilbachhammer ist zu wünschen, dass dieses vorbildhafte Beispiel eine Fortsetzung findet mit Menschen, die ihre jeweiligen Fähigkeiten – ob in den Bereichen Handwerk, Wissenschaft oder Netzwerke – einbringen und das Wissen für einen historischen Bauwerks- und Technikerhalt in der praktischen Arbeit verstetigen, so wie es in Großbritannien bereits seit langem – auch als sozial verbindende Kulturtradition – praktiziert wird. Eine solche »Bauhütte« wäre es wert, unter die Schirmherrschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestellt zu werden.

Für die Nutzung haben sich im Jahr 2025 neue Perspektiven ergeben. Durch eine glückliche Fügung konnte eine gemeinnützige Beginengruppe aus Kupferdreh (Beginen Hausprojekt e. V.) gewonnen werden, die in der Tradition der modernen Beginen in das Meisterhaus einziehen, den Garten bewirtschaften und eigene Veranstaltungen auch in Kooperation mit dem Ruhr Museum anbieten werden. Das ältere Arbeiterhaus soll an ausgewählten Wochenenden in den Sommermonaten ab 2026 als Bistro für den Rad- und Wandertourismus durch das Hotel Franz des Franz Sales Hauses bewirtschaftet werden. Das jüngere Arbeiterhaus wird multifunktional für die museumspädagogische Arbeit des Ruhr Museums, als Standesamt und zu kulturellen und sonstigen Eventzwecken genutzt. Im Hammergebäude werden durch das Ruhr Museum in den Sommermonaten regelmäßig öffentliche Schmiedeveranstaltungen angeboten. Damit ist erstmals eine Nutzergemeinschaft gefunden worden, die hoffen lässt, dass aus dem ehemaligen »Problemobjekt « ein lebendiges Denkmal wird. Der Verein »Freunde und Förderer des Deilbachtals« kümmert sich ergänzend um die weitere zukünftige touristische und kulturelle Entwicklung der Kulturlandschaft Deilbachtal.

Autor Achim Mikuscheit

Das Hammergebäude. ©Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Das alte Wasserrad. © unbekannt
Das alte Windhaus. © Ruhr Museum
2020 Das neue Windrad. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
1930ziger Jahre, Einbau der Hammersäulen. © Ruhr Museum
1930ziger Jahre, Einbau der Hammersäulen. © Ruhr Museum
Gerdt Schraven† beplankt die neue Hammerwelle. © Jörg Schulte
Gerdt Schraven† beplankt die neue Hammerwelle. © Jörg Schulte
Das neue Wasserrad in der Jugendberufshilfe. Links Gerdt Schraven† © unbekannt
Das neue Wasserrad. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2020 Vor Ausbau der Hammersäulen muss die Welle gesichert werden. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2018 Vor dem neuen Wasserrad v.l.n.r. Prof. Dr. Borsdorf, Frank Weßing, Klaus Kaiser, Franz Britz (Bürgermeister), Hans Schippmann, Anreas Holtkamp (Architekt). ©Elke Brochhagen, Stadt Essen
2020 Vor Ausbau der Hammersäulen muss die Welle gesichert werden. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2020 Ausbau der Hammersäulen durch die Achäologen. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2020 Ausbau der Hammersäulen durch die Achäologen. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2020 Die neuen Hammersäulen liegen für den Einbau bereit. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2022 Der Einbau beginnt. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2022 Die erste Hammersäule ist im Gebäude. © Klaus Kaiser, Konsortium Deibachtal
Milimeter genaues Arbeiten ist erforderlich. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2020 Alle Hammersäulen stehen. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2022 Die Fläche vor der Welle wird begehbar gemacht. © Achim Mikuscheit
Hammergebäude Ausschnit, Hofansicht © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2022 Herbstfest. © Anke Hansen
2022 Herbstfest. © Anke Hansen
2022 Herbstfest. © Anke Hansen
2022 Herbstfest. © Anke Hansen
2026 Das fertige Hammebäude. © Christoph Sebastian, Ruhr Musem

Das Meisterhaus

Das Meisterhaus ist ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit teilweise ausgebautem Keller- und Dachgeschoss sowie einem Satteldach. Die Fassaden waren – mit Ausnahme der nach Norden gerichteten Trauffassade – überwiegend mit Schieferplatten verkleidet. Nur auf der Nordseite blieb die qualitätvolle Fachwerkkonstruktion sichtbar. Fenster, Türen und Fensterläden waren in grün lackiertem Nadelholz ausgeführt. Südlich schloss sich ein Bruchsteinanbau an, der mit hoher Wahrscheinlichkeit ursprünglich als Stall genutzt und zu einem späteren Zeitpunkt zu Toiletten umgebaut wurde.

Das Gebäude verfügte über zwei Kellerräume, die jeweils mit glatten Betondecken ausgestattet waren. Diese wurden von auf den Außen- und Innenwänden aufliegenden Stahlträgern getragen. Beide Räume waren über Fenster belichtet und belüftet, wiesen jedoch deutliche Feuchtigkeitsprobleme auf, sodass sie kaum oder gar nicht genutzt wurden. Der nördliche Kellerraum besaß einen Betonboden mit einer Drainrinne entlang der Außenwände, während der östliche Kellerraum mit großformatigen Natursteinplatten belegt war.

Die ehemals zweigeschossige Deele hatte im historischen Bauernhaus den zentralen Wirtschaftsraum gebildet. Von hier aus wurden die in den Seitentrakten untergebrachten Tiere versorgt, Erntegut auf den Dachboden transportiert und in den Wintermonaten Getreide gedroschen. Durch zahlreiche, im Laufe der Zeit erfolgte Umbauten waren diese funktionalen Zusammenhänge jedoch nur noch eingeschränkt nachvollziehbar. Eine verbretterte Decke, unterschiedliche Trennwände sowie Einbauten im nördlichen Bereich überformten das ursprüngliche Erscheinungsbild deutlich.

Auch die Räume der ehemaligen Seitentrakte wurden im Laufe der Zeit für unterschiedliche Wohn- und Lagerzwecke umgenutzt. Ein schmaler Korridor nahm die haustechnischen Installationen auf, ein Bretterverschlag diente als Abstellraum und im südlichen Bereich führte ein länglicher Flur zu einem Bad mit WC. Die Vielzahl unterschiedlicher Wand- und Bodenbeläge ließ eine eindeutige zeitliche Einordnung der Ausstattungen kaum zu. Der Bereich der einstigen offenen Feuerstelle, der im ländlichen Haus eine zentrale funktionale und soziale Bedeutung gehabt hatte, wurde später zu einem Erschließungsraum mit mehreren Türen und einer Treppe umgebaut. Fragmentarisch erhaltene Wappensteine, Teile des Bodenbelags sowie einzelne Türblätter erinnerten jedoch weiterhin an die ursprüngliche Nutzung.

Im Erdgeschoss lagen die Wohnräume vor allem im östlichen Gebäudeteil. Ein über die gesamte Gebäudebreite reichender Raum wurde etwa mittig durch eine freigelegte Fachwerkkonstruktion gegliedert, die auf eine ehemals vorhandene massive Trennwand hinwies. Der nördliche Raumteil sowie zwei anschließende Wohnräume waren über eine kurze Treppe erreichbar und lagen etwa 45 cm höher als das übrige Erdgeschoss. Dieses erhöhte Bodenniveau entsprach der historischen »Upkamer«, dem über dem Keller gelegenen Wohnraum.

Das Obergeschoss war vollständig zu Wohnzwecken ausgebaut. Ein schmaler, mittig angeordneter Flur erschloss die einzelnen Zimmer und verband die Holztreppe ins Erdgeschoss mit der Stiege zum Dachgeschoss. Die kleinteilige Grundrissstruktur orientierte sich noch deutlich an der historischen Aufteilung, die durch sichtbare Deckenbalken und freigelegte Nadelholzdielen gut ablesbar war. Die Belichtung erfolgte über zweiflügelige Holzfenster mit Einfachverglasung.

Das Dachgeschoss wurde als Lagerraum genutzt und ließ die historische Konstruktion besonders klar erkennen. Sparren, Pfetten und Stützen waren nahezu vollständig sichtbar, ebenso Reparaturstellen und spätere Ergänzungen. Im östlichen Bereich befand sich der mächtige Kaminblock; weitere Einbauten waren hier nicht vorhanden.

Historische Karten von 1831 und 1881 zeigen das Ensemble aus Meisterhaus, Arbeiterhaus und Hammergebäude. Während der Stallanbau auf der Karte von 1831 noch fehlte, war er 1881 bereits vorhanden. Zudem wurde der Eisenhammer in dieser Zeit um eine Schmiede erweitert. Vermutlich erfolgte im 19. Jahrhundert auch eine Erweiterung des Meisterhauses nach Westen um etwa 3,20 m; Reste der ehemaligen Giebelaußenwand blieben im Dachraum erhalten. Weitere Umbauphasen ließen sich unter anderem an den Kunststeineinfassungen der Eingänge ablesen, die möglicherweise aus der Zeit um 1930 stammen.

Insgesamt deutete die Bausubstanz auf eine kontinuierliche Anpassung des Meisterhauses an die Nutzung als Wohngebäude hin. Während sich diese Entwicklung an den Außenfassaden in einer gleichmäßigen Durchfensterung zeigte, blieben im Inneren zahlreiche Spuren der ursprünglichen bäuerlichen Nutzung erhalten. Ursprünglich hatte vermutlich eine klare Trennung zwischen Wirtschafts- und Wohnteil bestanden, verbunden durch eine zentrale Erschließungszone mit offener Feuerstelle, die zugleich das funktionale und soziale Zentrum des Hauses gebildet hatte.

Autor Klaus Kaiser

2018 Das Meisterhaus. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
2020 im Juni, das Meisterhaus ist komplett eingerüstet. © Klaus kaiser, Konsortium Deilbachtal
2021 Meisterhaus entkernt. © Andreas Holtkamp
2021 Meisterhaus entkernt. © Andreas Holtkamp
2021 Meisterhaus morsche Holzteile. © Andreas Holtkamp
2026 Das fertige Meisterhaus. © Christoph Sebastian, Ruhr Musem

Hof, Zufahrt, Garten

Die gesamte Hoffläche mit einer Größe von ca. 450 m2 sollte bis zum Zugang in den Garten einheitlich mit Bruchsteinpflaster belegt werden. Ziel dieser Maßnahme war es, die Hoffläche sowohl funktional als auch gestalterisch aufzuwerten und den historischen Charakter des Ensembles dauerhaft zu stärken. Das Bruchsteinpflaster sollte sich in die denkmalgeschützte Umgebung einfügen. Das benötigte Material konnte jedoch leider nicht über Straßenrückbau- und Erneuerungsmaßnahmen durch den Fachbereich Tiefbau zur Verfügung gestellt werden. Deshalb entschied sich das Konsortium dazu, entsprechendes Material (Grauwacke) über die Firma »Fachwerk-Antik – Historisches Baumaterial« für die gesamte Hoffläche zu beschaffen.

Im Rahmen der Pflasterarbeiten mussten die Höhenunterschiede der Hoffläche ausgeglichen werden. Besonderes Augenmerk lag auf den Übergängen zwischen dem Hammergebäude, dem Meisterhaus, dem Arbeiterhaus, der Zufahrtsrampe, den Kanaldeckeln sowie den vorhandenen und neu angelegten Drainagen. Eine detaillierte Höhenaufnahme wurde durch das Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster erstellt.

Ziel war es, eine zusammenhängende, halbwegs barrierearme Hoffläche ohne Stolperkanten oder ungünstige Wasseransammlungen herzustellen. Gleichzeitig wurde sichergestellt, dass Oberflächenwasser gezielt zu den vorgesehenen Entwässerungspunkten abgeführt wurde, um Feuchteschäden an den angrenzenden Gebäuden zu vermeiden.

Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurde das gesamte Außengelände in Richtung der angrenzenden Gleisanlagen der Deutschen Bahn (S-Bahn-Linie S 6) eingefriedet. Hierzu wurde ein Zaun errichtet, der durch eine vorgelagerte Schutzhecke ergänzt wurde. Diese Kombination aus technischer Sicherung und landschaftlicher Gestaltung förderte sowohl die erforderliche Sicherheit als auch eine angemessene Einbindung in die Umgebung. Die Maßnahme wurde frühzeitig durch die Firma Jux – Natur im Raum, umgesetzt, sodass die Schutzhecke bereits anwachsen konnte und zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Geländes eine wirksame Abgrenzung bildete.

Zufahrtsrampe
Die bestehende Zufahrtsrampe stellt das zentrale Erschließungselement des Grundstücks dar. Aus Gründen der Verkehrssicherheit, der Dauerhaftigkeit sowie der funktionalen Nutzung war hier eine umfassende Überarbeitung erforderlich.

Zunächst wurde die Rampe durch geeignete seitliche Absturzsicherungen gesichert. Entlang der rampenseitigen Absturzkanten wurden dauerhaft wirksame Schutzmaßnahmen vorgesehen, die sowohl den Anforderungen an die Verkehrssicherheit als auch an die gestalterische Einbindung in das historische Umfeld entsprachen. Die gesamte Zufahrtsfläche der Rampe mit einer Größe von ca. 200 m² wird noch instandgesetzt. Der noch vorhandene Belag weist funktionale, statische und sicherheitsrelevante Mängel auf, insbesondere im Hinblick auf die Rutschgefahr bei Nässe und Frost. Aus sicherheitstechnischer Sicht – Zufahrt für die Feuerwehr – wird daher eine Asphaltierung der Rampe erfolgen.

Auf der Garten- und Bachseite der Zufahrt wird ein Geländer aus Granitstein-Stützen errichtet. Die Stützen werden untereinander durch Stahlseile verbunden, die nachgespannt werden können. An den Granitsteinen wird auch eine dezente Zufahrtsbeleuchtung angebracht.

Landschaft und Garten

In der Hochzeit der gewerblichen Nutzung des Deilbachhammers waren die umgebende Landschaft sowie die Selbstversorgungsgärten zur Sicherung des alltäglichen Lebens zwingend notwendig. Das Grundstück umfasste damals – wie auch heute – eine Außenfläche von ca. 6.000 m².

Luftaufnahmen aus dem Jahr 1926 und aus späteren Jahren belegen, dass diese Selbstversorgungsgärten noch bis in die 1980er Jahre von den Bewohnern des Deilbachhammer- Ensembles bewirtschaftet wurden.

Nach dem Auszug der letzten Bewohner und Mieter ging diese Form der Bewirtschaftung verloren, und die Natur verwandelte die ehemaligen Gartenflächen allmählich in eine kleine Auenlandschaft.

Im Zusammenhang mit den umfassenden Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten sollte daher auch die historische Landschaft in ihrer ursprünglichen Struktur und Funktion wiederbelebt werden.

Die Idee, den Garten als historischen Selbstversorgergarten zu nutzen, erfolgte auf Grundlage von verschiedenen Entwürfen. Sie gehen auf Wolfgang Gaida, den ehemaligen Mitarbeiter des Regionalverbands Ruhr (RVR), das Ruhr Museum und das Franz-Sales-Haus zurück.

Die Außenanlagen sollten teilweise als Selbstversorgergärten konzipiert und betrieben werden. Ziel war es, an historische Nutzungsformen anzuknüpfen und eine weitgehend eigenständige Versorgung mit Obst, Gemüse und Kräutern zu ermöglichen. Nutzung und Pflege sowie der Verkauf der erzeugten Produkte sollten in der Verantwortung des Sozialbetreibers liegen. Auf diese Weise hätte eine sinnvolle Verknüpfung von sozialer Arbeit, historischer Nutzung und nachhaltiger Bewirtschaftung erreicht werden können.

Ergänzend hierzu wurden museumspädagogische Angebote sowie Formate der Umweltbildung entwickelt, die inhaltlich eng mit dem Selbstversorgergarten verbunden sind. Diese Angebote wurden durch das Ruhr Museum begleitet. Grundlage hierfür war eine enge Abstimmung zwischen dem Sozialbetreiber und dem Ruhr Museum, um inhaltliche, organisatorische und betriebliche Anforderungen sinnvoll aufeinander abzustimmen.

Durch den Wechsel des Ankermieters ergab sich eine grundlegende Veränderung der Nutzungsperspektive. Das Franz-Sales-Haus konnte den im Jahr 2024 geschlossenen Vertrag aus wirtschaftlichen Gründen nicht erfüllen, wodurch die zuvor dargestellten Überlegungen bereits Anfang 2025 ihre Grundlage verloren. Mit dem neuen Ankermieter, dem Verein Beginen Hausprojekt e. V., traten veränderte Nutzungskonzepte in den Vordergrund. Insbesondere im Bereich der Gartennutzung stehen nun andere Formen der Nutzung im Fokus. Der Garten soll nicht mehr als klassischer Selbstversorgungsgarten, sondern als niedrigschwelliger Lern-, Begegnungs- und Rückzugsort entwickelt werden. Im Fokus stehen ökologische Vielfalt, Möglichkeiten der Begegnung und des Rückzugs.

Von den Beginen geplant wurden folgende Elemente: Als Lernort soll die Anlage einen Färbergarten, d.h. Pflanzen für natürliche Textilfärbung und Kunst/Malerei enthalten, einen Staudengarten in pflegeleichter und insektenfreundlicher Gestaltung sowie einen Kräutergarten für Lernformate zu Kräutern und ihren Ressourcen. Als Ort der Stille sind abgeteilte Bereiche für Meditation, Gebet und Schwitzhütte und eine Jurte im Garten vorgesehen. Als Raum für Begegnung soll der Garten Möglichkeiten für Seminare und kulturelle Formate bieten – Rasen-/Wiesenflächen, die einfach und offen zum Bestaunen sein dürfen oder auf denen Workshops (z. B. Sensen-Kurse) stattfinden.

Um die zukünftige Ausrichtung verbindlich festzulegen, besteht weiterhin Abstimmungs- und Klärungsbedarf zwischen den neuen Ankermietern, dem Vermieter (Stadt Essen für das Standesamt), dem Konsortium, dem Ruhr Museum und dem LVR als möglichem Förderer.

Ein lebendiger Ort heute
Mit Abschluss der Sanierung wurden die Arbeiterhäuser gemeinsam mit dem Meisterhaus und dem Hammergebäude zu einem lebendigen kulturellen Ensemble weiterentwickelt. Heute verbindet dieser Ort die Geschichte der industriellen Arbeit im Deilbachtal mit zeitgemäßen Bildungs- und Kulturangeboten. Besucherinnen und Besucher erhalten so die Möglichkeit, Industriegeschichte nicht nur zu betrachten, sondern als Teil eines lebendigen Ortes zu erleben.

Autor Klaus Kaiser

Liegenschaftskarte, Gesamtfläche des Ensemble. © Stadt Essen
1926 Luftbild. Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster
Die Zufahrt zum Ensemble. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbach
Alte Trasse der Deilthaler Eisenbahn in Richtung Westen - Grundstücksende. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Vom Garten aus in östlicher Richtung zu den Gebäuden. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Gartenfläche links von der Zufahrt. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Gartenfläche links von der Zufahrt. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Neue Pflasterung 2025/2026. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
Neue Pflasterung 2025/2026. © Klaus Kaiser, Konsortium Deilbachtal
21.03.2026 Übergabefest des Ensemble an den Oberbürgermeister. © Dominik-Antoni Krolikowski, Stadt Essen
21.03.2026 Übergabefest des Ensemble an den Oberbürgermeister. © Dominik-Antoni Krolikowski, Stadt Essen

Besuch der Ministerin Ina Scharrenbach mit Scheckübergabe

Copyrigth für die Bilder unter Imprssionen Elke Brochhagen, Stadt Essen 

Chronologie in Bildern

Copyright der Bilder.
Ruhr Museum, Achim Mikuscheit, Klaus Kaiser, Christoph Sebastian, Elke Brochhagen, Andreas Holtkamp, Erwin Wiemer, Unbekannte Fortografen, Gerdt Schraven†, Jörg Schulte, Anke Hansen, Michael Imberg, Robert Welzel, Moritz Leick
Stadt Essen: Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv, Stadtbildstelle

Ausschnitt der Karte von 1831, © unbekannt
Nivellementplan © unbekannt
Schmiedemeister und Gesellen im "Alten Hammer" in Kupferdreh, um 1890
Alte Postkarte Restaurant zum Eisenhammer
1926 Luftbild (Schrägaufnahme)
1926 Luftbild (Senkrechtaufnahme))
Stationen der Kulturlandschaft
Ausschnitt aus der Liegenschaftskarte
Das Ensemble um 1930. © Ruhr Museum
Hammergebäude östlche Ansicht mit zerstörtem Windrad
Wasserrad
Hammergebäude innen, östliche Blickrichtung auf das Windrad
Exenterschere auf der Hammerwelle
Wasserrad vor dem Einbau
Hammerwelle eingebaut. Datum und © unbekannt
Hammerwell, Hammergerüste und die beiden Schwanzhämmer
Die Schmiede bei der Arbeit
Wasserrad sitzt schon auf der Hammerwelle Datum und © unbekannt
Das Ensemble von Osten gesehen
Windhaus und Kamin von Ostenaus gesehen
Windhaus (Ausschnitt) von Ostenaus gesehen
Hammergebäude südliche Ansicht 1935/1936
Hammergebäude Längenschnitt 1935/1936
Hammergebäude söstliche Ansicht 1935/1936
Hammergebäude Querschnitt 1935/1936
Hammergebäude Draufsicht 1935/1936
Welle und Wasserrad werden angeliefert.
Welle und Wasserrad vor dem Hammergebäude.
Einer der beiden Schwanzhämmer (links)
Hammersäule, Hammer und Schabotte
Die alten morschen Hammergerüste
Die alten morschen Hammergerüste
Grundlagenslizze von Gerdt Schraven† zur Anfertigung des Wasserrades © Gerdt Schraven
Die Welle ist tlw. schon beplankt
Das neue Wasserrad mit den sichtbaren Schaufeln
Die Hammerwelle wird beplankt
Das neue Wasserrad auf der Welle
Hammergebäude noch ohne großer Tür - rechts
Arbeiterhäuser durch div. Abstützungsmaßnahmen gesichert
Grundriss der Arbeiterhäuser
Baumängel
Morsches Ständerwerk
Neue Nutzung
Das Meisterhaus
Freilegen des Ständerwerks
Innenausbau
Das "Neue" Meisterhaus
Grundriss der Arbeiterhäuser
Arbeiterhäuser durch div. Abstützungsmaßnahmen gesichert
Das alte Dach wird entfernt
So langsam wird es
Die Arbeiterhäuser sind fertig
Obergeschoß und Dachgeschoß entkernt
Fusch am Bau bei den früheren Sanierungsarbeiten
Innenausbau
Grundriss der Arbeiterhäuser
Arbeiterhäuser durch div. Abstützungsmaßnahmen gesichert
Ah 25a, Treppe ins OG
Neue Nutzung
Obergeschoß und Dachgeschoß entkernt
Verschiedene Baumaßnahmen