Stolpersteine

Verlegeaktion 2015

Stolpersteine 2015 in Essen-Süd und in Essen-Steele
Am Dienstag, den 28. April 2015, wurden in Essen 39 neue Stolpersteine verlegt. Es handelt sich dabei ausschließlich um jüdische Opfer des Nationalsozialismus.

25 Steine sind in der Von-Einem-Straße und Von-Seeckt-Straße verlegt worden. Dazu hat sich eine Initiative "Stolpersteine in Essen-Süd" gebildet. Zu dieser Initiative gehören Melanie Rudolph, Reinhard Völzke, Sabine Weiler und Günter Hinken. Es hatte größerer Vorarbeiten zur Erforschung der Lebens- und Leidensstationen der jüdischen Opfer bedurft, die in einer umfangreichen Informationsbroschüre veröffentlicht werden. Darüber hinaus konnte die Initiative Kontakt zur Tochter einer ehemaligen jüdischen Bewohnerin der Von-Einem-Str. 36 herstellen, die 1938 vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Brasilien geflüchtet war. Die in Sao Paulo lebende Susanne Caspary ist mit ihrem Mann zur Verlegung des Stolpersteines ihrer Mutter nach Essen gereist.

In Steele sind anschließend die weiteren 14 Stolpersteine verlegt worden. Es ist bereits die dritte Stolperstein-Verlegung in Steele. Die beiden ersten waren in einem gleichzeitig herausgegebenen Heft dokumentiert worden. Anlässlich dieser dritten Verlegung erscheint eine überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Die Forschungen zu den jüdischen Schicksalen in Steele, die die Grundlage der Stolpersteinverlegungen bilden, haben nach wie vor Ingrid Niemann und Ludger Hülskemper-Niemann unternommen. Die Koordination mit Stolpersteinspendern und sonstigen Unterstützern in Steele liegt in den Händen des Steeler Archivs.


Veranstaltungen im Rahmen der beiden Stolperstein-Projekte:
Dienstag, 28. April 2015, ab 9 Uhr
Verlegung der Stolpersteine in der Von-Einem-Straße und Von-Seeckt-Straße
Start: vor dem Haus Von-Einem-Straße 36

Anschließend: Verlegung der Stolpersteine in Essen-Steele.

Dienstag, 28. April 2015, 20 Uhr
Sago & Gäste: Kunst-Stolpern für STOLPERSTEINE


Ein Benefiz-Abend mit Musik, Chanson, Rezitation und Schauspiel
Gemeindesaal der Ev. Reformations-Kirchengemeinde Rüttenscheid,
Julienstraße 39, 45130 Essen (fußläufig vom Sago Hinterhoftheater).
29,00 € inklusive Fingerfood
Karten erhältlich beim Sago Künstlerduo,
Tel. 0201/ 806 88 01 oder unter www.sago-kultour.de

Samstag, 2. Mai 2015, 15 Uhr
Informationsveranstaltung:

Stolpersteine und mehr – Erinnerungskultur in Essen
Impulsvortrag durch Dr. Petra T. Fritsche, Historikerin und Autorin aus Berlin („Stolpersteine. Das Gedächtnis einer Straße“) … und weiteren Podiumsgästen
Moderation:
Reinhard Völzke, Bürgerinitiative „Stolpersteine in Essen-Süd“
Künstlerisches Rahmenprogramm:
Sago Künstlerduo
Chorforum Essen (Saal), Fischerstraße 2-4,
Eintritt frei.

Nächstgelegene ÖPNV-Haltestellen: „Kronprinzenstraße“ (Straßenbahnlinien 105, 106; 1 Min. Fußweg); „Aalto-Theater“ (Buslinien 145, 146, 155; 3 Min. Fußweg); „Hauptbahnhof Essen“ (7 Min. Fußweg)

Der Künstler Gunter Demnig erinnert

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem - zumeist - letzten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt der Kölner Bildhauer.

Die Steine sind aus Beton gegossen und tragen an der Oberseite eine 10 mal 10 Zentimeter große Messingtafel, in die Demnig mit Hammer und Schlagbuchstaben die Überschrift HIER WOHNTE und darunter den Namen, die Lebensdaten - soweit bekannt - und das weitere Schicksal jedes einzelnen Menschen einstanzt. Seit 1993 arbeitet Demnig an dem Projekt Stolpersteine, das die Erinnerung an die während der nationalsozialistischen Diktatur vertriebenen, verfolgten und ermordeten Juden, Sinti und Roma, politischen Widerständler, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer lebendig erhalten soll.

Sein Ziel ist, dass die Menschen über die kleinen Messingsteine "stolpern" und völlig unvorbereitet in ihrem Alltag mit den Schicksalen von Verfolgten aus der NS-Zeit konfrontiert werden. Besonders wichtig ist für ihn, das Gedenken in unsere Lebensmitte zu rücken. Viele Menschen entdecken die Steine denn auch eher zufällig und realisieren teilweise erst durch sie, dass in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Deportation und Vernichtung stattfanden.

Nach "Probeverlegungen" in Köln ließ Demnig 1996 in Berlin-Kreuzberg Stolpersteine in das Pflaster ein. Diese ersten Steine waren illegal verlegt, wurden später aber legalisiert. Die Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg beschloss in der Folge, die Verlegung von möglichst vielen Steinen zu unterstützen. Mittlerweile verlegt Demnig in ganz Deutschland Stolpersteine.

Die Aktion in Essen, die der Historische Verein für Stadt und Stift Essen betreut, begann 2004. Auf Initiative des ehemaligen Oberbürgermeisters Peter Reuschenbach fanden sich Spender und Paten zusammen, die die einzelnen Steine finanzieren. Der Stadt entstehen daher keine Kosten.

Die ersten Stolpersteine in Essen erinnern an Emma, Leo, Walter und Alfred Cussel, die in Essen zuletzt in dem sogenannten "Judenhaus" in der Kastanienallee lebten. Alfred Cussel und seine Kinder wurden in das Ghetto Izbica deportiert, das den Nationalsozialisten als Durchgangslager für die Vernichtungslager Sobibór und Bełżec diente. Niemand aus der Familie überlebte.
Das Projekt Stolpersteine wird in Essen fortgesetzt. Informationen über Patenschaften erteilt der Historische Verein Essen.
Ansprechpartner ist Herr Koerner. stolpersteine@hv-essen.de ( Weitere Kontaktdaten unter Kontakt--> Ansprechpartner)

Gunter Demnig verlegte 2006 Stolpersteine in Essen

Gunter Demnig war 2006 an folgenden fünf Tagen in Essen tätig: 23 Januar, 21. April, 7. Juli und 27. November. Er verlegte dabei insgesamt 88 Stolpersteine, davon 72 für jüdische und 16 für andere Opfer des Nationalsozialismus. Zu den anderen Opfern gehören ein Priester, Zeugen Jehovas, Sozialdemokraten, Kommunisten, Deserteure und Volksopposition.

Die Arbeitsbedingungen reichten von Frost im Januar bis großer Hitze im Juli. An den Verlegetagen im Januar und April wurden hauptsächlich Stolpersteine im Großraum Borbeck verlegt als Fortsetzung des am 15. November 2005 begonnenen lokalen Schwerpunkts.

Inzwischen liegen im Großraum Borbeck 47 Stolpersteine. Im Juli wurden erstmals Stolpersteine in Haarzopf, Altenessen und Katernberg Stolpersteine verlegt. Im November lag der Schwerpunkt in Steele.

Begonnen hatte Gunter Demnig am 23. Januar in der Zweigertstraße in der Nähe des Landgerichts. Die Stolpersteine galten dem Landgerichtsrat Dr. Salomon Heinemann und seiner Frau Anna. Er war ein großer Förderer des Folkwangmuseums [Heute Museum Folkwang] und hatte außerdem seine wertvolle Kunstsammlung testamentarisch bereits dem Folkwangmuseum [Heute Museum Folkwang] vermacht.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen SA-Männer in sein Haus ein und steckten es in Brand. Binnen weniger Minuten war die Kunstsammlung ein Opfer der Flammen. Als Folge des Schreckens des nächtlichen Überfalls drehte das Ehepaar Heinemann den Gashahn auf und starb an Gasvergiftung. Diese Stolpersteine wurden vom Historischen Verein für Stadt und Stift Essen gestiftet, zu dessen Vorstandsmitgliedern Salomon Heinemann gehörte.

Der im Juli in Haarzopf in der Fängershofstraße verlegte Stolperstein ist Charlotte Zinke gewidmet. Sie war als Kommunistin Mitglied des Essener Stadtrats und Reichstagsabgeordnete. Dieser Stolperstein war von der evangelischen Kirchengemeinde Haarzopf gestiftet worden.

Vor dem Eingang zur Luisenschule am Bismarckplatz [ Heute Ernst-Schmidt-Platz 1]wurde der Stolperstein für Nelli Neumann verlegt. Sie wirkte dort als Lehrerin für Mathematik, Physik und Chemie. Als Jüdin wurde sie 1942 in Minsk ermordet. Gestiftet hatte diesen Stolperstein der Altschüler Innenbund der Luisenschule. Nach Ratsbeschluss soll das Gebäude der Luisenschule in Zukunft das Haus der Geschichte beherbergen. [ Durch den Rat am 16. Mai 2007 beschlossen und nach Fertigstellung der Umbaumaßnahmen beherbergt die Luisenschule jetzt das Haus der Essener Geschichte (HdEG) / Stadtarchiv und die Geschäftsstelle des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen 1880 e.V.]

Für Else und Ilse Hanauer wurden Stolpersteine an der Rüttenscheider Straße 77 verlegt. Eine Tochter, beziehungsweise Schwester dieser beiden jüdischen Naziopfer lebt noch in Düsseldorf. Das befreundete Ehepaar Gana aus Essen hat sich für die Verlegung dieser beiden Stolpersteine deshalb besonders eingesetzt, damit die überlebende Verwandte das noch erleben kann.

Der Verlegung der Stolpersteine in Steele war eine detaillierte Planung einer Arbeitsgruppe im Steeler Archiv e. V. vorausgegangen. Zu dieser Arbeitsgruppe gehörte auch Ludger Hülskemper-Niemann, Autor des Buches "Vom Geleitbrief zum Gelben Stern. 450 Jahre Juden in Steele". An der Verlegeaktion waren auch Schüler des Gymnasiums an der Wolfskuhle und der Realschule Überruhr beteiligt. Zu dem Verlegetag in Steele war bereits ein ausführliches Heft des Steeler Archivs fertig: "Stolpersteine in Essen-Steele und Umgebung".

Teilgenommen hatte an der Verlegeaktion auch Rainer Sonntag vom Antirassismus-Telefon. Er führte unterwegs Interviews durch, aus denen eine einstündige Sendung über Stolpersteine in Essen von Radio Essen gestaltet wurde.

Als Beobachter teilgenommen am Novembertermin hatten auch Gäste aus Mülheim und Krefeld. Ein "runder Tisch gegen Rechtsradikalismus" in Mülheim möchte dort die Verlegung von Stolpersteinen fortsetzen, die vor einiger Zeit durch ein Gymnasium begonnen worden war. Gymnasiasten in Krefeld hatten 10 000 Unterschriften für Stolpersteine in Krefeld gesammelt. Wie ich hörte, haben die Krefelder einen ersten Termin im Oktober 2007 erhalten. Auch bei uns geht es wohl erst am 12. Oktober 2007 weiter. Herr Gunter Demnig hat an vielen Orten in Deutschland viel zu tun.

Bankverbindung für Spenden:

Historischer Verein für Stadt und Stift Essen
"Stichwort Stolpersteine"
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Blz 360 501 05
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Ansprechpartner Stolpersteine:
Birgit Hartings

0201 / 88 41319
01577 / 3437803

Stolpersteine(at)hv-essen.de
Birgit.Hartings(at)hdeg.essen.de