Will Lammert und der Südwestfriedhof

Der bekannte Hagener Bildhauer Will Lammert (1892 – 1957) zog 1922 auf die Margarethenhöhe in Essen. Hier regte er die Anlage von städtisch geförderten Werkstätten und Ateliers an. Es entstand eine der wichtigsten deutschen Künstlersiedlungen.

Auf eine Initiative Lammerts geht auch die Keramische Werkstatt zurück, die er bis 1927 leitete. Lammert arbeitete erfolgreich mit den Architekten Edmund Körner, Georg Metzendorf, Alfred Fischer und Ernst Knoblauchzusammen. Als ein Höhepunkt seines Essener Werkschaffens gilt die künstlerische Ausstattung der von Ernst Bode 1925 bis 1929 errichteten Bauten auf dem Südwestfriedhof. Mit dem Rompreis der Preußischen Akademie der Künste von 1931 schien Lammert auf der Höhe seines Erfolges angelangt. Während seines Studienaufenthaltes in der Villa Massimo in Rom wurde er mit dem italienischen Faschismus konfrontiert und trat aus Widerstanddagegen nach seiner Rückkehr in die KPD ein. Als erklär-ter Gegner des Nazi-Regimes musste er 1933 mit seiner Familie über die Niederlande nach Paris und später in die Sowjetunion fliehen, zumal seine Frau Jüdin war.1941 wurde Lammert nach Kasan verbannt. In Essenkonzentrierte sich eine ab 1933 von der NSDAP angezettelte Hetzkampagne gegen den Künstler vor allem auf die Bildwerke des Südwestfriedhofs. Die Sgraffitian den Pylonen, die »Mutter Erde« am Hallenscheitel, die Portaltüren und ein Christus aus Alpakablech wurden zerstört. Erhalten blieben die Scheitelsteine der Toreinfahrt und im Inneren das aus der Hallenrückwand herausgearbeitete Christusrelief, das bis 1945 mit einer Hakenkreuzfahne verhängt wurde. Lammert kehrte 1951 nach Deutschland zurück und wurde zu einem der bedeutendsten Bildhauer der frühen DDR.