Ruhrbesetzung 1923: Die Karsamstagstragödie

Der bekannte Hagener Bildhauer Will Lammert (1892 – 1957) zog 1922 auf die Margarethenhöhe in Essen. Hier regte er die Anlage von städtisch geförderten Werkstätten und Ateliers an. Es entstand eine der wichtigsten deutschen Künstlersiedlungen.

Im Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Sie begründeten diesen Schritt damit, die nach dem Ersten Weltkrieg im Versailler Vertrag festgeschriebenen Reparationsleistungen würden nicht erfüllt. Die deutsche Regierung rief zum passiven Widerstand auf. Die Besatzungsmächte beschlagnahmten Güter und besetzten Betriebe. Am Karsamstag, 31. März 1923, wollte ein Trupp von elf französischen Soldaten in der Firma Krupp Fahrzeuge requirieren. Darauf reagierten die Beschäftigten mit einer großen Demonstration, an der sich einige tausend Menschen beteiligten. Die Soldatensaßen in der Autohalle fest, fühlten sich nach mehreren Stunden bedroht und schossen sich schließlich den Weg frei. 13 Demonstranten starben unter den Kugeln; mehrere Dutzend wurden verletzt. In den folgenden Wochen verhafteten die Besatzungsorgane Gustav Krupp von Bohlen und Halbach sowie einige Direktoren und einen Betriebsrat. Ein französisches Militärgericht warf ihnen das Anzetteln von Feindseligkeiten vor und verurteilte sie. Die Ereignisse fanden breite internationale Aufmerksamkeit. Die Toten wurden am 10. April zu Grabe getragen. Mehr als 200.000 Menschen säumten die Straßen, durch die sich der lange Trauerzug bewegte. In Berlin hielt der Reichstag eine Gedenksitzung ab. Im Jahr 1928 wurde das Ehrenbegräbnis auf dem Südwestfriedhof durch eine monumentale Skulptur des Bildhauers Hugo Lederer ergänzt, die allerdings nicht erhalten ist. Überhaupt änderte sich das gesamte Erscheinungsbild der Grabstelle nach 1945 grundlegend. Statt der flachen Grabsteine wurden steinerne Grabkreuze aufgestellt.