100 Jahre Volkshochschule Essen

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Keramikhaus
Haus der Erwachsenenbildung an der Hachestr.
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100 Jahre Volkshochschule (2019)

Aufbrüche

Aus Anlass des Jubiläums hat die Künstlerin Cindy Gates einen Film erstellt: "100 Jahre im Licht"
Hier geht es zum Film "100 Jahre zum Licht"

Schon am 21. März 1919 setzt die Essener Stadtverordneten-Versammlung einen „Ausschuss für Volksbildung“ ein, der am 28. Mai die Gründung einer Volkshochschule in Trägerschaft der Stadt beschließt. Schon am 1. August, rund zwei Wochen vor Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung, wird die inzwischen erarbeitete Satzung von den Essener Stadtverordneten genehmigt. Die Leitung übernimmt Dr. Heinrich Dicke, der 2. Stadtbibliothekar, im Nebenamt. Mit dem Beginn des Wintersemesters 1919/20 am 24. November 1919 wird der Lehrbetrieb aufgenommen. Im Vorwort des Jubiläumsprogramms schreibt der heutige VHS-Direktor Michael Imberg zur Gründung der VHS vor 100 Jahren:

„Am Anfang der deutschen Volkhochschulbewegung stand ein ungeheuerlicher Aufbruch, der sich quer durch alle gesellschaftlichen Bereiche zog. Diese Entwicklung begünstigte am 28. Mai 1919 die Gründung der Volkshochschule Essen. Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründete Weimarer Republik bekannte sich später in ihrer Verfassung explizit zur Freiheit und Pflege von Kunst und Wissenschaft. 'Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.' Bildung sollte jeden einzelnen Menschen dazu befähigen, an der Gesellschaft teilzuhaben und diese wie auch sich selbst fortzuentwickeln – unabhängig von sozialer Herkunft oder Glauben. Das Gold des Wissens, es sollte nun jedermann und jederfrau frei zugänglich sein.

Die junge Republik taumelte ihrer Gründung entgegen, da entfalteten sich inmitten der Tumulte und Straßenkämpfe zeitgleich Fortschrittsoptimismus und Bildungsglaube, – was aus heutiger Sicht irritiert und fasziniert. Bildung für alle gegen den Irrsinn vieler! Was für eine Vision! Was für ein Pathos! Was für ein Auftrag!

Die Etablierung zahlreicher Volkshochschulen im Sinne des Verfassungsauftrages war sichtbarer Aufbruch in eine neue Zeit. Und genau auf diesen Geist der Bildungseuphorie will sich die Volkshochschule Essen anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums wieder besinnen – wohlwissend, dass die Demokraten am Ende der Weimarer Republik gescheitert sind.

Volkshochschulen sind 'Werkstätten der Demokratie', sagte einst Bundespräsident Joachim Gauck, sie sind „Seismograph gesellschaftlicher Trends und Lebensstile“. Der Einzelne, der bei uns sein lebenslanges Recht auf Bildung geltend machen kann, erfährt sich in seiner VHS als soziales und politisches Mitglied eines Gemeinwesens, erfährt sich als Bürger seiner Stadt. Deshalb ist für uns die VHS der Ort, an dem sich die städtische Gesellschaft bildet. Ihren 100. Geburtstag feiert sie folgerichtig unter dem Titel „Aufbrüche“ in einem Verbund mit städtischen Partnern.

Offen für alle, vielfältig und bürgerschaftlich engagiert – die Prinzipien der Erwachsenenbildung nach Max Hirsch sind es bis heute, die unsere Volkshochschule ausmachen. Und wir sind mit unserer Arbeit noch lange nicht fertig. Man möchte meinen, wir fangen gerade erst an.“

Chronologie zur Geschichte der Volkshochschule Essen

21.3.1919
Die Essener Stadtverordneten-Versammlung beschließt die Einsetzung des „Ausschusses für Volksbildung", zu dessen Zuständigkeitsbereich die Volkshochschule gehört
28.5.1919
Beschluss des „Ausschusses für Volksbildung" zur Gründung einer Volkshochschule und Erarbeitung einer Satzung
1.8.1919
Offizieller Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung zur Einrichtung einer Volkshochschule mit Genehmigung der Satzung
1.10.1919
Dienstantritt des 2. Stadtbibliothekars Dr. Heinrich Dicke als erster Leiter der Volkshochschule im Nebenamt
24.11.1919
Beginn des ersten Wintersemesters 1919/20
1.7.1929
Dr. Walther Däbritz, Leiter der Akademischen Kurse, übernimmt die Leitung der Volkshochschule im Nebenamt
Juli 1933
Schließung der Volkshochschule durch die Nationalsozialisten
10.10.1946
Antrag Stadt Essen auf Wiedereröffnung der Volkshochschule an die britische Militärregierung. Leiter im Nebenamt wird Dr. Walter Neumann, Studienleiter der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie
21.10.1946
Beginn des Wintersemesters 1946/47
27.8.1952
Tod von Dr. Walter Neumann. Leiter im Nebenamt wird Dr. Friedrich Meisenburg, Museumskustos
1.5.1964 
Erster hauptamtlicher Leiter wird Dr. Wilhelm Godde
1968
Der Rat der Stadt Essen beschließt die Errichtung eines „Hauses der Erwachsenenbildung" an der Hollestraße (Planung Architektengemeinschaft Dr. Wilhelm Seidensticker/Dipl. Ing. Heinz Budde)
27.4.1971
Offizielle Einweihung erster Bauabschnitt Haus der Erwachsenenbildung
20.4.1975
Eröffnung zweiter Bauabschnitt Haus der Erwachsenenbildung
5.10.1976
Der Rat der Stadt Essen beschließt erstmals nach 1945 eine Satzung für die Volkshochschule, die unter anderem die Mitbestimmung der Kursteilnehmenden und Kursleitenden regelt
1977
Dr. Wilhelm Godde wird zum Beigeordneten für Schule und Kultur der Stadt Essen gewählt. Neuer Direktor der VHS wird Gerd Hergen Lübben, bisher Leiter der Volkshochschule Unna
1979
Das „Kulturforum Steele", Dreiringstraße 7, und die VHS Borbeck, Gerichtsstraße 20, werden als Außenstellen der Volkshochschule eröffnet
14.-16.10.1983
Erste deutsche „Spielertage" in der Volkshochschule mit 5.000 Besuchern (heute: Internationale Spieltage SPIEL in der Messe Essen)
November 1994
75 Jahre Volkshochschule Essen. Konferenz des „Arbeitskreis großstädtischer Volkshochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz" mit dem Titel "Die Volkshochschulen - Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung - Tradition • Bilanz• Perspektive"
1996
Direktor Gerd Hergen Lübben tritt in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird die Leiterin der Volkshochschule Kleve, Friederike Brunnbauer
28.6.2000
Der Rat der Stadt Essen stimmt der Nutzungskonzeption für die Lichtburg mit den Schwerpunkten Kino, Volkshochschule und Gastronomie zu (Planung: Miksch Rücker Architekten, Düsseldorf)
16./18.9.2004
Offizielle Eröffnung der neuen Volkshochschule am Burgplatz
2006
Seit 2006 verfügt die Volkshochschule über ein nach DIN ISO 9001 ff. zertifiziertes Qualitätsmanagement, das kontinuierlich fortgeführt wird
2010
Teilnahme am Programm zur „Kulturhauptstadt Europas". Gründung des Vereins der Freunde und Förderer der Volkshochschule Essen
2014
Direktorin Friederike Brunnbauer tritt in den Ruhestand. Der Rat der Stadt Essen bestellt 2015 Michael Imberg, zuletzt Referent für Kultur und Sonderprojekte im Büro des Oberbürgermeisters, zu ihrem Nachfolger
2017
Beteiligung am Projekt „Grüne Hauptstadt Europas" u. a. mit der Installation „GRowEEN - Wachsen durch Bildung" des Essener Künstlers Jens J. Meyer
2019
100 Jahre Volkshochschule Essen