Eine geheimnisvolle Bronzescheibe

Do, 04.03.2021 19:00 Uhr - 21:00 Uhr, Alte Synagoge, Klaus Kaiser

In Burgaltendorf wurde 1992 eine Bronze­scherbe in der Nähe eines Lagers von Ger­manen gefunden. Diese trägt eine In­schrift, die von den meisten Forschern mit „IUDAIIA" oder „Jüdin" entziffert wird (so der Essener Stadtarchäologe Detlef Hopp).
In den letzten Jahren sind in Mitteleuropa einige neue Funde gemacht worden, die die Präsenz von jüdischen Gegenständen oder Juden im Römerreich belegen. So etwa auch im schweizerischen Kaiseraugst bei Basel ein 2001 gefundener Ring mit jüdischen Symbolen wie dem Sie­benarmigen Leuchter mit Etrog (Zitrus­frucht) und Lulaw-Strauss, den Archäologe Ludwig Berger ins 4. Jh. datiert.

Herr Voß interpretiert den Fund aus Burgaltendorf im europäischen Zusam­menhang. Dies ist insbesondere wichtig, weil wir nach dem bekannten Dekret für die colonia agrippina (=Köln) aus dem Jahr 321 kaum sichere weitere Belege für jüdisches Leben auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands bis zum Jahr 800 haben. Dagegen sind für mediterrane Orte viele jüdische Gemeinden in der Antike nachgewiesen. Bedeutendster Siedlungs­punkt war die älteste jüdische Gemeinde Europas, Rom. Nach einer jüdischen Tradi­tion sollen die ersten jüdischen Familien, die im Rheinland im 10. Jahrhundert auf­tauchen, aus Norditalien stammen.

Ort: Alte Synagoge
Kategorie: Vortrag