Bahnhofvorplatz

In einer rasanten Entwicklung wuchs Essen im 19. Jahrhundert von einem kleinen Landstädtchen zu einer Großstadt heran. Der Bahnhofsvorplatz als Visitenkarte der Stadt war bei der Gestaltung der Innenstadt von besonderer Bedeutung .

Nachdem 1902 ein neues Bahnhofsgebäude eröffnet worden war, sollte das Umfeld neu gestaltet werden. Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof entstand 1911-1912 ein modernes Geschäftshaus: Der Handelshof (Architekten Carl Moritz/Werner Stahl) bot Platz für Geschäfte, Restaurationsbetriebe, Büros und ein Hotel.

Im östlichen Bereich des Bahnhofvorplatzes – auf dem früheren Gelände des Blechwalzwerkes der Firma Schulz Knaudt & Co. – schloss sich ursprünglich eine niedrige Wohnbebauung an. Diese kleinen Häuser wurden Anfang der 1920er Jahre abgerissen, als ein neuer Bau für die Börse beschlossen worden war.

Diese existierte in Essen bereits seit 1865 und hatte sich zu einer Spezialbörse für den Handel mit Anteilen an Bergwerksunternehmen entwickelt. Ihr überregionaler Rang manifestierte sich in dem Bau, der 1922-25 nach Plänen des Architekten Edmund Körner (1874-1940) errichtet wurde.

Als Pendant zur Börse entstand an der westlichen Seite des Bahnhofsvorplatzes das Essener Hauptpostamt , das in Etappen zwischen den Jahren 1924 bis 1933 gebaut wurde. Es ersetzte das erst 1903 eröffnete Postgebäude, das mit seinem Eckturm im neugotischen Stil gehalten war. Elemente der expressionistischen Formensprache bestimmten wie bei der Börse den Bau des neuen Hauptpostamtes (Architekt Hoeltz).

Alle drei Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in den 1950er Jahren wieder aufgebaut.

Zu diesem Zeitpunkt bildete der Bahnhofvorplatz mit dem Gebäudeensemble den Eingang zu einer veränderten Innenstadt: Die Essener Fußgängerzone gehörte zu den ersten in der jungen Bundesrepublik. Essen verstand sich als Zentrum des Einzelhandels im Ruhrgebiet. „Essen die Einkaufsstadt“ steht seit 1950 in Leuchtlettern auf dem Dach des Handelshofes. Der Platz zwischen Handelshof und Hauptpost ist aber erst seit 1994 fußläufig. Seitdem trägt er den Namen Willy-Brandt-Platz.