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Meldungen zu den Stolpersteinen PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 12. Mai 2007 um 17:05 Uhr

Gunter Demnig verlegte 2006 Stolpersteine in Essen

Gunter Demnig war 2006 an folgenden fünf Tagen in Essen tätig: 23 Januar, 21. April, 7. Juli und 27. November.

Er verlegte dabei insgesamt 88 Stolpersteine, davon 72 für jüdische und 16 für andere Opfer des Nationalsozialismus.

Zu den anderen Opfern gehören ein Priester, Zeugen Jehovas, Sozialdemokraten, Kommunisten, Deserteure und Volksopposition.

Die Arbeitsbedingungen reichten von Frost im Januar bis großer Hitze im Juli.

An den Verlegetagen im Januar und April wurden hauptsächlich Stolpersteine im Großraum Borbeck verlegt als Fortsetzung des am

15. November 2005 begonnenen lokalen Schwerpunkts. Inzwischen liegen im Großraum Borbeck 47 Stolpersteine.

Im Juli wurden erstmals Stolpersteine in Haarzopf, Altenessen und Katernberg Stolpersteine verlegt.

Im November lag der Schwerpunkt in Steele.

Begonnen hatte Gunter Demnig am 23. Januar in der Zweigertstraße in der Nähe des Landgerichts.

Die Stolpersteine galten dem Landgerichtsrat Dr. Salomon Heinemann und seiner Frau Anna.

Er war ein großer Förderer des Folkwangmuseums [Heute Museum Folkwang] und hatte außerdem seine wertvolle Kunstsammlung

testamentarisch bereits dem Folkwangmuseum [Heute Museum Folkwang] vermacht. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen SA-Männer in sein Haus ein

und steckten es in Brand. Binnen weniger Minuten war die Kunstsammlung ein Opfer der Flammen.

Als Folge des Schreckens des nächtlichen Überfalls drehte das Ehepaar Heinemann den Gashahn auf und starb an Gasvergiftung.

Diese Stolpersteine wurden vom Historischen Verein für Stadt und Stift Essen gestiftet,

zu dessen Vorstandsmitgliedern Salomon Heinemann gehörte.

Der im Juli in Haarzopf in der Fängershofstraße verlegte Stolperstein ist Charlotte Zinke gewidmet.

Sie war als Kommunistin Mitglied des Essener Stadtrats und Reichstagsabgeordnete.

Dieser Stolperstein war von der evangelischen Kirchengemeinde Haarzopf gestiftet worden.

Vor dem Eingang zur Luisenschule am Bismarckplatz [ Heute Ernst-Schmidt-Platz 1]wurde der Stolperstein für Nelli Neumann verlegt.

Sie wirkte dort als Lehrerin für Mathematik, Physik und Chemie.

Als Jüdin wurde sie 1942 in Minsk ermordet. Gestiftet hatte diesen Stolperstein der

AltschülerInnenbund der Luisenschule. Nach Ratsbeschluss soll das Gebäude

der Luisenschule in Zukunft das Haus der Geschichte beherbergen.

[ Durch den Rat am 16. Mai 2007 beschlossen und nach Fertigstellung der Umbaumaßnahmen beherbergt  die Luisenschule jetzt das Haus der Essener Geschichte (HdEG) / Stadtarchiv und die Geschäftsstelle des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen 1880 e.V.]

Für Else und Ilse Hanauer wurden Stolpersteine an der Rüttenscheider Straße 77 verlegt.

Eine Tochter, beziehungsweise Schwester dieser beiden jüdischen Naziopfer lebt noch in Düsseldorf.

Das befreundete Ehepaar Gana aus Essen hat sich für die Verlegung dieser

beiden Stolpersteine deshalb besonders eingesetzt, damit die überlebende Verwandte das noch erleben kann.

Der Verlegung der Stolpersteine in Steele war eine detaillierte Planung einer Arbeitsgruppe im Steeler Archiv e. V.

vorausgegangen. Zu dieser Arbeitsgruppe gehörte auch Ludger Hülskemper-Niemann,

Autor des Buches "Vom Geleitbrief zum Gelben Stern. 450 Jahre Juden in Steele".

An der Verlegeaktion waren auch Schüler des Gymnasiums an der Wolfskuhle und

der Realschule Überruhr beteiligt. Zu dem Verlegetag in Steele war bereits ein ausführliches

Heft des Steeler Archivs fertig: "Stolpersteine in Essen-Steele und Umgebung".

Teilgenommen hatte an der Verlegeaktion auch Rainer Sonntag vom Antirassismus-Telefon.

Er führte unterwegs Interviews durch, aus denen eine einstündige Sendung über Stolpersteine in

Essen von Radio Essen gestaltet wurde. Als Beobachter teilgenommen am Novembertermin

hatten auch Gäste aus Mülheim und Krefeld. Ein "runder Tisch gegen Rechtsradikalismus"

in Mülheim möchte dort die Verlegung von Stolpersteinen fortsetzen, die vor einiger Zeit durch

ein Gymnasium begonnen worden war. Gymnasiasten in Krefeld hatten 10 000 Unterschriften für

Stolpersteine in Krefeld gesammelt. Wie ich hörte, haben die Krefelder einen ersten Termin

im Oktober 2007 erhalten. Auch bei uns geht es wohl erst am 12. Oktober 2007 weiter.

Herr Gunter Demnig hat an vielen Orten in Deutschland viel zu tun.

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 05. August 2011 um 08:34 Uhr
 

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