Friedhofsführer

Diese Projektseite versteht/verstand sich als ein Forum für junge Studierende, wo diese erste Erfahrungen in selbstständiger Recherche und Veröffentlichung der Ergebnisse sammeln konnten. Daher sind die Lebensläufe sicherlich nicht „perfekt“ im Sinne eines „professionellen Biografen“, aber aus sehr viel Engagement und Enthusiasmus heraus entstanden.
Sollten Sie also Fehler finden - oder Anmerkungen haben -nehmen Sie mit uns Kontakt auf! Wir freuen uns über Rückmeldungen und ergänzen dann gerne die Texte.

Die Texte befinden sich noch in der Korrekturphase. Bitte beachten Sie, dass nicht alle Daten und Fakten auf dieser Seite verlässlich sind.

Der virtuelle Friedhofsführer im Historischen Portal Essen  Link                                                   PDF Tabelle zum Download

Krupp, Waldthausen und Grillo, Dinnendahl, Baedeker, Carl Humann, Heinz Rühmann, Heinz Drache, Gustav Heinemann, Dieter Krebs und Helmut Rahn - all dies sind klangvolle Namen verstorbener Persönlichkeiten, die mit der Stadt Essen eng verknüpft sind.
Doch wer von ihnen wurde in Essen beigesetzt? Und wo liegen ihre Gräber? Wie haben sich diese Personen um die Belange der Stadt Essen verdient gemacht? Welche Reaktionen gab es in der Öffentlichkeit auf die Beerdigung, wie wurde diese wahrgenommen?
Nicht alle der oben angeführten Personen sind auch in Essen begraben, aber noch viele weitere Personen, die für Essen – aber auch über Essen hinaus – von Bedeutung waren, haben in Essen ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Mit dieser Seite wollen/wollten wir einige der oben aufgeführten Fragen beantworten. Wir haben uns für das Wintersemester 2011/12 auf vier Essener Friedhöfe beschränkt: Parkfriedhof, Friedhof Bredeney, Ostfriedhof und Südwestfriedhof. Durch diese Beschränkungen fehlen z.B. Helmut Rahn, der legendäre Stürmer von Rot-Weiss-Essen, weil dieser auf dem Margaretenfriedhof in Essen-Holsterhausen beerdigt wurde, oder Heinz Rühmann, gebürtiger Essener, dessen Grab sich in Aufkirchen am Starnberger See befindet.
Informationen zu allen Essener kommunalen Friedhöfen können Sie hier auf den Seiten der Stadt Essen in Erfahrung bringen.
Wir können zuerst einmal nur vier Essener Friedhöfe vorstellen auf denen Persönlichkeiten Ihre letzte Ruhe gefunden haben. Und sicherlich haben wir bei der ersten Erfassung auch nicht alle wichtigen verstorbenen auf diesen Friedhöfen erfasst. Sie finden jetzt hier über 60 Namen bekannter Personen. Manche dieser Namen sind Ihnen sicher sehr bekannt, andere weniger. Wir wollen mit dieser Seite aber – auch - erreichen, dass diese weniger bekannten Namen „wiederentdeckt“ werden. Wissen Sie z.B., dass die erste deutsche Kunstfliegerin, Thea Rasche, in Essen beerdigt wurde? Wer war Gerhard Meyer-Schwickerath und was hat es mit Kasimir Soporowski auf sich? Wir haben versucht auf all  diese Fragen hier auf diesen Seiten eine Antwort zu finden.
In den einzelnen Datensätzen zu den Persönlichkeiten finden Sie neben den Lebensdaten der Verstorbenen weitere Informationen: Lebenslauf, Bezug zu Essen, Werk/Leistungen und – sofern die Informationen greifbar waren - auch Informationen zur Beerdigung. Dazu können Sie am Ende des jeweiligen Datensatzes weitere Felder (Anmerkungen, Literatur) mittels Mausklick ausklappen.
Über Hinweise und Korrekturen sind wir immer dankbar. Nutzen Sie bitte dazu unser Kontaktformular.

Besonderen Dank richten wir an Theodor Berns von Grün und Gruga, Michael Maas von der Stadt Essen und Robert Welzel vom Historischen Verein für Stadt und Stift Essen für die umfangreichen Vorarbeiten und Recherchen.

Unser Dank geht auch an die beiden Korrekturleserinnen Corinna Reker (verstorben 2013) und an ihre Nachfolgerin Isolde Parussel.
Weiter bedanken wir uns bei: Christiane Bruch, Cordula Holtermann, Hans-Joachim Hüser, Klaus Kaiser, und Dr. Klaus Wisotzky.

Diese Homepage ist ein Projekt von Studierenden des Historischen Seminars II. der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aus dem Wintersemester 2011/12 unter Leitung von Karsten Plewnia M.A. und Dr. Susanne Brandt. Es wurde unterstützt durch den Historischen Verein für Stadt und Stift Essen 1880 e.V. indem er die Möglichkeit bot, die Ergebnisse hier einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Die technische Umsetzung erfolgte durch Culex-Litmedia.
Eine Weiterführung des Projekts ist geplant, ein Termin steht noch nicht fest.

Vielleicht haben wir mit dieser Seite Ihre Neugierde geweckt?

Link zum Friedhofsführer im Historischen Portal Essen

Beispiele

*20.12.1825 in Essen
†16.04.1888 in Düsseldorf-Gerresheim                                
                
Ostfriedhof    

Henrich Friedrich (Fritz) Theodor Ernst Grillo wurde als Sohn eines Essener Kaufmanns in dessen Wohnhaus in der Viehoferstraße 10/12 geboren. Der Vater Wilhelm Grillo betrieb im selben Haus eine Eisenwarengroßhandlung und war mit Gertrud, geb. Funke, verheiratet. Er starb jedoch bereits zwei Jahre nach der Geburt des jüngsten Sohnes. Friedrichs Bruder hieß Wilhelm Theodor (* 15. Oktober 1819 in Essen; † 23. Januar 1889 in Düsseldorf). Gertrud Grillo heirate 1829 erneut und starb bereits 1839.
Nach einem gymnasialen Schulabschluss begann Friedrich Grillo eine kaufmännische Lehre im sauerländischen Brügge bei Halver, arbeitete dann kurzzeitig als Kaufmannsgehilfe in Mainz und leistete seinen Militärdienst. Er übernahm bereits mit 23 Jahren 1848 den väterlichen Eisenhandel, der aufgrund des frühen Todes seines Vaters von seinem Stiefvater geführt worden war. In den folgenden Jahren stieg er neben Alfred Krupp [Link zu Krupp-Bio] zu den prägenden Bergbau-Unternehmern Essens und des Ruhrgebiets auf.¹

Im Jahr 1850 heiratete Grillo die Tochter eines Beamten im Essener Bergamt, Wilhelmine von Born. Sein Schwiegervater Theodor von Born war bereits an Mutungen im Essener Raum beteiligt und führte ihn in den Kreis der führenden Bergbau-Unternehmer ein.

Dies gab Grillo die Chance, sich nicht auf das bereits Erschaffene zu beschränken, sondern verschiedene Organisationen im expandierenden Bergbau des Ruhrgebiets zu finanzieren und zu gründen. Dabei arbeitete er oftmals mit anderen Persönlichkeiten der Branche zusammen; unter anderem mit den Gebrüdern Honigmann  bei der Eisengießerei und Maschinenfabrik Honigmann & Co (1854) und den Zechen Neuessen und Herkules, sowie mit seinem Bruder Wilhelm, der sich auf die Zinkverarbeitung fokussierte.Friedrich Grillo machte zu dieser Zeit ebenfalls Bekanntschaft mit Heinrich Ties [Link zu Wiki] und der Familie Waldthausen [Link zur Bio]. Zusammen gründeten sie im März 1855 die Aktiengesellschaft „Neu Essen“, eine Zusammenlegung von zwei Grubenfeldern, mit einem Aktienkapital von 500.000 Talern. Die Königlich Preußische Regierung genehmigte dies im Februar 1856. Hans Poprawa merkt in seiner Biographie an, dass Grillo zu dieser Zeit die Möglichkeiten des Ruhrgebietsbergbaus erkannt habe: Man müsse nur die modernsten Technologien verwenden und die Unternehmungen mit dem notwendigen Kapital ausrüsten. Mit weiteren erfolgreichen Zusammenschlüssen wie „Consolidation“ (1863) von sieben Grubenfeldern  und „Graf Bismarck“ (1868) von 17 Grubenfeldern, in denen er oft Vorsitzender der Grubenvorstände wurde, baute er seine Position an der Ruhr weiter aus. Bei diesen Unternehmungen wagte man sich erstmals an nördlicher gelegene, ergiebigere Flöze, unter anderem in der Nähe von Gelsenkirchen auf dem Gebiet des 400 Einwohner zählenden Dorfes Schalke, heran.  

Auch nach der Wirtschaftsdepression der Gründerjahre ließ er nicht von Innovationen ab und versuchte weiterhin die an die 200 Einzelgesellschaften im Bergbau zusammenzuführen. Viele Ideen (z.B. „Essener-Credit-Anstalt“, „Dortmunder Union“, Gelsenkirchener-Bergwerks-Aktiengesellschaft“) wurden umgesetzt, andere jedoch nicht: Grillo wollte den Kohletransport auf dem Rhein nicht unabhängigen Gesellschaften überlassen,  da er für die Bergbau-Unternehmen lebenswichtig war, aber gleichzeitig den Profit durch diese Abhängigkeit in großen Maße beeinträchtigte. 1887 sicherte er sich Teile der Reedereien Disch in Mainz und Faber in Duisburg, scheiterte jedoch,da eine bald beginnende psychische Schwäche ihm die Kräfte raubte, bevor am 16. April 1888 verstarb.² „Das letzte Projekt, mit dem Grillo sich befasste, war die Finanzierung des Irrenhauses, in dem er dahinsiechte“ ³, so T.Kellen in seiner Biographie. In einem Nachruf in der Rheinisch-Westfälischen-Zeitung charakterisierte man ihn als eine Person „mit einem unermüdlichen Schaffensdrang, seltene Energie, großes Geschick, das Richtige zu treffen, weiten Blick – und vor allem eine glückliche Hand“.4  

Er wurde ursprünglich am 19. April 1888 auf dem Friedhof am Kettwiger Tor begraben, nun erinnert auf dem Ostfriedhof die Steintafel an das Grab dieser ungewöhnlichen Unternehmerpersönlichkeit. Des weiteren wurden Straßen und Schulen in Essen und Gelsenkirchen nach ihm benannt. Außerdem erinnern Denkmäler in seiner Heimatstadt und Unna an sein Wirken. Die Grillo-Werke-AG, die von seinem Bruder Wilhelm in Mülheim an der Ruhr gegründet wurde befindet sich noch in Familienhand.

Seine vielleicht bekannteste Hinterlassenschaft ist jedoch nicht im Industrie- und Bergbaubereich zu finden, sondern im kulturellen. Kurz vor seinem Tod versprach, er sein Vermögen dem Aufbau eines Essener Stadttheaters  zu stiften, da seine Ehe kinderlos geblieben war.  Dieses Versprechen wurde von seiner Frau Wilhelmine eingelöst. Das Grillo-Theater trägt seit der Eröffnung 1892 seinen Namen.   

Fußnoten:
¹ Vgl. Grillo, Friedrich. In: Dickhoff Erwin (Hg.): Essener Köpfe. Essen 1986, S. 76-77.
² Vgl. Poprawa, Hans: Friedrich Grillo. Gründerjahre im Ruhrgebiet. Erstes Staatsexamen. Pädagogische Hochschule Ruhr, Dortmund 1971, S.9.
³ Ebenda, S.10.
4 Das Werk Friedrich Grillos. In: Rheinisch-Westfälische Zeitung, 18.04.1888, S. 45-46.

Literaturhinweise und Internetlinks:
Das Werk Friedrich Grillos. In: Rheinisch-Westfälische Zeitung, 18.04.1888, S. 45-46.
Das Begräbnis Friedrichs Grillos. In: Rheinisch-Westfälische Zeitung, 20.04.1888.
Schalke. Ein Industriebild. In: Rheinisch-Westfälische Zeitung, 21.04.1888.
Grillo, Friedrich. In: Dickhoff Erwin (Hg.): Essener Köpfe. Essen 1986.
Poprawa, Hans: Friedrich Grillo. Gründerjahre im Ruhrgebiet. Erstes Staatsexamen. Pädagogische Hochschule Ruhr, Dortmund 1971.
Wie die Brüder Grillo Geschichte machten.

Gustav Walter Heinemann

*23.07.1899 in Schwelm
†07.07.1976 in Essen-Rüttenscheid

Rechtsanwalt, Bergwerksdirektor, Oberbürgermeister, Justizminister, Bundesminister des Inneren, Bundespräsident

Parkfriedhof

Gustav Walter Heinemann wurde am 23. Juli 1899 in Schwelm geboren. Bereits ein Jahr später zog die Familie Heinemann – Vater Heinemann, Mutter Heinemann, Gustav W. Heinemann und seine beiden Schwestern Heidi und Lore – nach Essen. Dort arbeitete Heinemanns Vater als Prokurist und Leiter der Kruppschen Betriebskrankenkasse. Nach dem Besuch der Volksschule und des Realgymnasiums (Goetheschule) legte Heinemann 1917 – während des Ersten Weltkrieges – das Abitur ab. Danach widmete er sich in mehreren deutschen Städten – Münster, Marburg, München, Göttingen und Berlin – dem Studium der Rechtswissenschaften, dem Studium der Volkswirtschaft und der Geschichte. 1922 bestand er in Marburg die Promotion zum Dr. rer. pol. Sieben Jahre später folgte die Promotion zum Dr. jur. an der Münsteraner Universität. 1926, nach dem Bestehen des juristischen Vorbereitungsdienstes und des Assessorenexamens, trat Heinemann als Rechtsanwalt in die Essener Anwaltssozietät Niemeyer ein. 

Einige Monate später – 28. Oktober 1926 – heiratete er Hilda Ordemann, die er im Dezember 1922 auf einer Marburger Universitätsadventsfeier kennen gelernt hatte. Am 2. Oktober 1927 wurde Tochter Uta Heinemann in die liebevolle Ehe geboren. Ab 1928 übte Heinemann mehr oder weniger zwei Berufe aus, da er nicht mehr nur als Anwalt in der Kanzlei Niemeyer tätig war, sondern gleichzeitig als Prokurist und Justitiar der Rheinischen Stahlwerke in Essen. Eben jene Tätigkeit hatte er bis zum Jahr 1936 inne – dem Jahr, in dem er durch die Rheinischen Stahlwerke zum Bergwerksdirektor und Stellvertretendem Vorstandsmitglied berufen wurde. 1945 rückte er zum ordentlichen Vorstandsmitglied (Bergwerksdirektor) und Chef der Hauptverwaltung der Rheinischen Stahlwerke AG auf. Jene Posten hatte er bis 1949 inne.
Im Oktober desselben Jahres wurde Heinemann, der während des Nationalsozialismus im Widerstand tätig war, von den alliierten Siegermächten zum Bürgermeister Essens ernannt. Oberbürgermeister wurde Heinz Renner von der Kommunistischen Partei Deutschlands. Bereits ein Jahr später, bei den ersten offiziellen lokalpolitischen Wahlen, wurde Heinemann von den Essener Bürgern zum Oberbürgermeister gewählt. Diesem Amt, beziehungsweise dieser Tätigkeit, ging er von 1946 bis 1949 nach. In diesen Zeitraum fällt auch seine Arbeit als Abgeordneter des ersten, sich zusammensetzenden nordrhein-westfälischen Landtags, in dem er seinen Essener Wahlkreis vertrat, und in dessen Rahmen er von 1947 bis 1949 als nordrhein-westfälischer Justizminister tätig war; er wollte diesen Posten nur solange ausführen, bis ein adäquater Ersatz gefunden sei. 1949 gab Heinemann sein Oberbürgermeisteramt in Essen auf, weil er vom ersten Bundeskanzler der sich neu formierenden Bundesrepublik Deutschland zum Bundesinnenminister des ersten Kabinett Konrad Adenauers berufen wurde.
Schon ein Jahr später sollte Heinemann freiwillig von seinem Amt zurücktreten. Er und Adenauer gerieten mehr und mehr in Konfliktsituationen, weil Heinemann, lebenslanger Pazifist, gegen die Wiederbewaffnungs- beziehungsweise Aufrüstungspolitik Adenauers war. Die pazifistische Grundhaltung führte schließlich zur Gründung der Notgemeinschaft für den Frieden Europas im Jahr 1951, an der Heinemann maßgeblich beteiligt war. Jene überparteiliche Bewegung, die er zusammen mit der damaligen Zentrums-Vorsitzenden Helene Wessel und anderen Gesinnungsfreunden ins Leben rief, sollte bei der Wiedervereinigung Deutschlands mitwirken und einen einheitlichen Staat auf freiheitlicher Basis und unter Anerkennung jeglicher Menschenrechte schaffen. Ein Jahr später kam es darüber hinaus zur Gründung der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP), die ungefähr die gleichen Ziele verfolgte, wie die Notgemeinschaft,sie löste sich 1957 auf. Eben jene Gründung der GVP brachte es mit sich, dass Heinemann aus der CDU austrat. Einige Tage nach Auflösung der GVP im Mai 1957 versendete Erich Ollenhauer – Partei-Vorsitzender der SPD – ein Mitgliedsgesuch an Heinemann. Er und weitere Gesinnungsgenossen der GVP, wie beispielsweise Johannes Rau, traten der SPD bei. Heinemann wurde Mitglied des Parteivorstandes und nach den Bundestagswahlen 1957 Mitglied des Deutschen Bundestages. Jenes Mandat und das des Bundesjustizministers unter Bundeskanzler Kiesinger legte er allerdings 1969 nieder, als er im dritten Wahlgang in Berlin zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Für diesen staatstragenden Posten hatte ihn die gesamte SPD vorgeschlagen. So kam es, dass Heinemann vom 1. Juli 1969 bis zum 30. Juni 1974 das Amt des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland inne hatte.
In all den Jahren seiner Präsidentschaft präsentierte sich Gustav Heinemann mehr als Mann des Volkes, denn als Politiker. Er legte keinen Wert auf große Auftritte, jedoch auf Bürgernähe. Nicht umsonst bezeichnet man Heinemann gemeinhin als Bürgerpräsidenten. Ihm lag viel daran „mit den Menschen, mit all ihren alltäglichen Nöten, Gedanken und Meinungen in einem möglichst guten Zusammenhang zu bleiben.“ (Vinke, Hermann: Gustav Heinemann. In: Dressler Menschen. Die aktuelle Biographien-Reihe, Elisabeth Raabe (Hrsg), Hamburg 1979, S. 173). Heinemann mag sein Ziel erreicht haben. Wie ist es sonst zu erklären, dass 80 Prozent der Bevölkerung seine Amtsführung schätzte? Als man ihm 1973 die Frage stellte, ob er sich vorstellen könne ein zweites Mal für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren, lehnte er aus Altersgründen dankend ab. 1974 kam es dann zum Abschied vom Präsidentschaftsamt, das nun Walter Scheel übernehmen sollte. Nach den anstrengenden Jahren als Politiker, der stets in der Öffentlichkeit stand, versuchte er beim befreundeten Ehepaar Gollwitzer in Berlin zur Ruhe zu kommen. Als sich Heinemanns Krankheitszustand drastisch veränderte – er litt an Durchblutungsstörungen auf Grund verkalkte Arterien –, wurde er ins Klinikum nach Essen gebracht, wo er am 7. Juli 1976 im Kreise seiner Familie verstarb. Am 12. Juli 1976 wurde Heinemann auf dem Essener Parkfriedhof in einem Ehrengrab beigesetzt. Die Trauerrede hielt sein enger Freund Gollwitzer. Am gleichen Tag fand in Bonn ein Staatsakt zu Ehren des früheren Bundespräsidenten statt. Bei jener Trauer- und Ehrenbekundung hielt Bundeskanzler Helmut Schmid eine Gedenkrede.

Familie:
Gustav Heinemann hinterließ zum Zeitpunkt seines Todes seine Frau Hilda Heinemann, die ihn drei Jahre überleben sollte. Sie verstarb am 5. Mai 1979 in Essen und wurde, wie ihr Mann, auf dem Essener Parkfriedhof im Ehrengrab beigesetzt, das zugleich ein Familiengrab ist. Beide bekamen zusammen vier Kinder: Uta (1927), Christa (1928), Barbara (1933) und Peter (1936). Diese bescherten dem Ehepaar Heinemann zahlreiche Enkelkinder. So bekam Uta Ranke-Heinemann zwei Söhne: Andreas und Johannes. Christa Delius (geborene Heinemann) schenkte ihren Eltern vier Enkelkinder: unter anderem Christina Delius, Witwe des späteren Bundespräsidenten Johannes Rau. (http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/nachlass/nachlass_h/heinemann-gu.htm, eingesehen am 05.07.2012. )

Werke und Leistungen:

Heinemann, der gelegentlich als kühl und spröde bezeichnet wurde, hat als einer der wenigen Politiker zu gelten, der „die Herzen der Menschen bewegen [konnte] wie kaum jemand anders.“ (Vinke, Hermann: S. 184). Der ihm zugesprochene Titel Bürgerpräsident bezeichnet das treffend. Die Liste seiner Werke und Leistungen ist lang, deshalb sei an dieser Stelle nur auf einige hingewiesen: Während des Nationalsozialismus war Heinemann vom Essener Raum aus landesweit am kirchlichen Widerstand der bekennenden Kirche beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich als Essener Oberbürgermeister vorrangig für die Beseitigung von Leid und Übel der Bürger ein. So griff er selbst nach Schaufel und Spitzhacke, um den Schutt von der Straße zu räumen, oder kämpfte gegen die drohende Demontage von Industrieunternehmen. Als bekennendem Pazifisten war ihm Zeit seines Lebens daran gelegen, Frieden zu schaffen, zu erhalten und Menschenrechte zu garantieren. Dies machten vor allen Dingen sein Kampf gegen die Wiederaufrüstungspolitik Adenauers, gegen die Atompolitik und sein Einsatz für die Wiedervereinigung Deutschlands deutlich. Im gleichen Sinne müssen wohl auch die von ihm erarbeiteten Staatsrechtsreformen der 1070er Jahre oder die Staatsbesuche genannt werde, die Heinemann während seiner Amtszeit als Bundespräsident ausführte und nutzte, um „das durch den Zweiten Weltkrieg belastete Verhältnis zu anderen Staaten zu verbessern und gleichzeitig neues Vertrauen für die Bundesrepublik zu gewinnen.“ (Vinke, Hermann, S.189). Er erhielt zahlreichen Auszeichnungen: so etwa 1967 die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Tübingen und 1974 die Ehrendoktorwürde der New Yorker School of Social Research. Außerdem bekam er den Theodor-Heuss-Preis (1968), sowie den Fritz-Bauer-Preis (1970) und den Lessing-Preis (1975) verliehen. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang die Ehrenbürgerschaft von Berlin und Bonn.

Spuren in Essen:

Das Ehrengrab auf dem Essener Parkfriedhof verdeutlicht die nachwirkende Bedeutung für die Stadt Essen. Sie manifestiert sich auch in der Tatsache, dass ihm am 29. August 1969 der Ehrenring der Stadt Essen überreicht wurde. Von Bedeutung sind natürlich auch die Spuren, die er im Essener Raum hinterlassen hat, die Erinnerungskultur, die ihm zu Ehren betrieben wird. Zu eben jenen Spuren Heinemanns muss die Hinweistafel gerechnet werden, die an dem Haus befestigt wurde, in dem sich die jahrzehntelange Wohnung Heinemanns befand, die ihm Zeit seines Lebens Heimat war. Jene Hinweistafel, die am Haus der Schinkelstraße 34 befestigt wurde, dokumentiert die Rolle Heinemanns im Evangelischen Kirchenkampf von 1933 bis 1945: „ In diesem Haus wohnte vom 1. Oktober 1963 bis zu seinem Tode am 7. Juli 1976 Dr. Dr. Gustav Heinemann. Er war ein wichtiger Mitarbeiter in der Essener Bekenntnissynode, die sich während der Nazidiktatur gegen die staatlichen Eingriffe der Evangelischen Kirche zur Wehr setzte. Von 1946 bis 1949 war Dr. Heinemann Oberbürgermeister von Essen, von 1969 bis 1974 Präsident der Bundesrepublik Deutschland.“ (Schmidt, Ernst/ Zimmermann, Michael: Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, Essen 2002, S. 55). Weitere Spuren, die dem Sohn der Stadt Essen gedenken, sind die Gustav-Heinemann-Brücke im Stadtteil Werden, die Gustav-Heinemann-Kaserne im Stadtteil Kray, die es seit 1978 gibt, und die Gustav-Heinemann-Gesamtschule im Stadtteil Schonnebeck, die 1983 nach ihm benannt wurde.

Literaturverzeichnis:
Dickhoff, Erwin: Essener Köpfe. Wer war was? Essen 1985, S. 87-88.
Dickhoff, Erwin: Essener Straßen. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Essen 1986.
Frigelj, Kristian: Gustav W. Heinemann. „Bürgerpräsident“ im Zeitenwechsel. In: 4 Bundespräsidenten aus Nordrehein-Westfalen. Schriften des Landtags Nordrhein-Westfalen Band 15, Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen (Hrsg.), Düsseldorf 2004, S. 103-146.
Schmidt, Ernst/ Zimmermann, Michael: Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, Essen 2002, S. 54-57.
Vinke, Hermann: Gustav Heinemann. In: Dressler Menschen. Die aktuelle Biographien-Reihe, Elisabeth Raabe (Hrsg), Hamburg 1979.

Abbildungsverzeichnis:
Personenbild:
Foto der Familie. Abgedruckt in: Vinke, Hermann: Gustav Heinemann, in: Dressler Menschen. Die aktuelle Biographien-Reihe, Elisabeth Raabe (Hrsg.), Hamburg 1979, S. 44.



Christine Hengst

*16.04.1897 in Essen
†06.02.1966 in Essen

Friedhof

Christine Hengst war die erste Schulrätin in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde am 16. April 1897 in Essen geboren und war das älteste von neun Kindern. Sie war die Tochter eines städtischen Büroassistenten. Wie Christine Hengst selbst übten auch ihre anderen Geschwister pädagogische oder soziale Berufe aus.
Sie besuchte zunächst die Volkshochschule. Nach ihrem Abschluss dort begann sie eine Ausbildung zur Volksschullehrerin. Nach ihrem bestandenen Lehrerinnenexamen begann sie 1916 als Hilfsschullehrerin und führte ihre Arbeit dort bis 1919 fort. Von 1919 bis 1945 war sie als Lehrerin an einer Schwerhörigenschule in Essen tätig.  Zudem war sie bekannt als „Heilpädagogin aus Leidenschaft“. Sie vertiefte ihre Ausbildung durch ein Studium in Berlin. Für das Studium in Berlin reichte sie 1925 eine Beurlaubung ein, um Philosophie, Psychologie und Psychopathologie zu studieren. Außerdem wurde sie durch die politisch engagierte Lehrerin Elise Stoffels zur „ständigen Mitarbeiterin“ im Volksschulausschuss, wo sie den Sektor Heilpädagogik vertrat.
Während der nationalsozialistischen Zeit musste sie ihr Amt als Leiterin der Jugendlehrerfortbildung in Essen niederlegen, da sie sich gegen den Nationalsozialismus stellte. Damit galt sie als „national unzuverlässig“. Sie gehörte zu dieser Zeit keiner nationalsozialistischen Organisation an, sondern war Mitglied im Verein katholischer deutscher Lehrerinnen (VkdL). Dieser Verein war als „Widerstandszentrum“ bekannt.   Im Jahre 1945 wurde sie zur Schulrätin ernannt und war die erste Frau die diesen Beruf in Deutschland ausübte, wofür sie auch bei ihren männlichen Kollegen Anerkennung fand.  Dabei wurde ihr nicht nur ein Bezirk übertragen, sondern alle Sonderschulen der Stadt Essen.
Als gläubige Katholikin war sich auch kirchlich aktiv. Von 1934-1942 übernahm sie die Leitung der Arbeitskreise für Ordensschwestern, um diese zur Ausübung der kirchlichen Lehrgewalt auszubilden, der sog „Erlangung des Missio-Canonica“. Christine Hengst arbeitete dabei im Auftrag von Kardinal Schulte. Zudem war sie in der Zeit von 1933 bis 1952 Vorsitzende der katholischen Lehrerinnen in Essen.  Ab 1945 wurde sie Leiterin der Arbeitsgemeinschaft der Essener katholischen Frauenverbände, die sie gemeinsam mit Mathilde Kaiser gegründet hatte. Im gleichen Jahr wurde sie Mitglied des Vorstandes des Diözesankomitees der Katholikenausschüsse der Erzdiözese Köln, wo sie 1955 stellvertretende Vorsitzende wurde.

Im Frühjahr 1962 ging sie aufgrund von gesundheitlichen Problemen in Ruhestand.  Bis dahin hatte sie noch den Schulbezirk Borbeck geleitet und zudem einige ehrenamtliche Arbeiten übernommen.

Christine Hengst starb am 6. Februar 1966 in Essen im Alter von 68 Jahren.  Christine Hengst sagte über sich selbst: „Ich bin gern Hausfrau. Bei Familienfesten koche ich selbst. Das ist wichtig. Schließlich sollen die Frauen draußen nicht glauben, ich fasste meine Urteile am grünen Tisch.“  Ihr Grundsatz für soziale Befriedigung: „Wenn wir keinen Frieden in unserer nächsten Umgebung schaffen, kann es draußen keinen Frieden geben.“

Literaturhinweise
Sie war die erste Schulrätin in NRW. Christine Hengst begeht heute ihr 40jähriges Dienstjubiläum. In: Ruhr-Nachrichten (1./2.121956)

Mleinek, Elisabeth: Christine Hengst †. In: Katholische Frauenbildung 1966