Kreuzgang des Münsters

Das um die Mitte des 9. Jahrhunderts gegründete Kanonissenstift »Astnide« ist der historische Kern Essens. Zu dem um 870 geweihten Gründungsbau der Stiftskirche gehörte wahrscheinlich bereits ein Kreuzgang. Die Ausschachtung von Grabstellen für den Kapitelsfriedhof im Jahr 1992 förderte die Überreste mehrerer Bauphasen und ältere Siedlungsspuren zutage.

Eine mächtige Schicht aus Schutt des Zweiten Weltkriegs hat ältere Schichten ausgezeichnet konserviert: Es wurden drei »Pflaster« und, darunterliegend, frühere Spuren menschlicher Anwesen¬heit an diesem Ort ausgegraben. Die beiden oberen Pflaster aus Ruhrsandsteinen und Schieferstücken stehen wohl im Zusammenhang mit größeren Umbau- und Wiederaufbauarbeiten, die durch Brandkatastrophen oder auch durch Baufälligkeit des Münsters erforderlich wurden. So stammt das obere Pflaster etwa aus der Zeit zwischen 1275 und dem Beginn des 14. Jahrhunderts. Das zweite Pflaster wurde zwischen dem Brand von 946 und der Kryptaweihe von 1051 angelegt. Die Funde des dritten, untersten Pflasters aus groben Ruhrsandsteinplatten stammen aus dem 9./10. Jahrhundert, das heißt vermutlich aus dem spätkarolingischen Gründungsbau (850 – 870). Unter den weiteren Funden fallen einige aus der Zeit vor der Mitte des 8. Jahrhunderts auf, die wichtige Belege einer älteren Besiedlung der Innenstadt darstellen. Dazu gehören auch Besiedlungsspuren, die nach heutiger Einschätzung vorgeschichtlich, vielleicht eisenzeitlich sind (1. Jahrtausend vor Christus).

1996 wurden im Westteil des Münsters Reste einer Wasserleitung aus dem 11. Jahrhundert freigelegt, die zum Kreuzgang führte.

Foto der Ausgrabung, 1992
Foto der Ausgrabung, 1992
Plan der Münsterkirche mit der markierten Grabungsfläche im Kreuzgang
Plan der Münsterkirche