Das Gelände der Dinnendahlschen Fabrik

Fast zeitgleich entstanden im Umfeld des Theaters zwei Gebäude, die stellvertretend für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung Essens im 20. Jahrhundert stehen. Zugleich verweist das benachbarte Gelände auf die Anfänge der Industriegeschichte der Stadt.
1907/1908 wurde hinter dem Theater ein Kulissenhaus errichtet. Eine Brückenkonstruktion in der ersten Etage verband es direkt mit der Hinterfront des Theaters. Die Nähe von Werkstätten und dem Fundus der Bühnendekorationen brachte Vorteile für die Theaterarbeit mit sich.
Der Bau des gegenüberliegenden Hauptsteueramtes (1907-08) legt Zeugnis ab für die gewachsene Bedeutung der Industriestadt Essen. Hier konnten sämtliche Steuersachen einschließlich des Verkehrs mit dem Ausland und der Verzollung erledigt werden.
Der klassizistisch geprägte Putzbau (entworfen vom Geheimen Baurat Spillner und dem Geheimen Regierungs-Baumeister Gerstenfeldt), befindet sich auf historisch bedeutsamen Gelände. Hier stand die Maschinenfabrik des Industriepioniers Franz Dinnendahl (1775-1826). Der Sohn eines Müllers aus Horst bei Steele arbeitete sich zum „Mechanicus“ und Fabrikanten hoch, der eine der ersten Dampfmaschinen in Deutschland baute.
1807 zog er von Altendorf an der Ruhr nach Essen und gründete eine Maschinenfabrik. Hier baute er mit seinen Arbeitern unter anderem eine Dampfmaschine für die Zeche Sälzer-Neuack, die zum ersten Mal bei der Förderung von Kohlen eingesetzt wurde.
Auch in seiner Fabrik führte Dinnendahl technische Innovationen durch. 1818 richtete er dort eine Gasbeleuchtungsanlage ein, die er mit dem Essener Apotheker Franz Wilhelm Flashoff entwickelt hatte.
Nach einem Feuer (1821) verlegte Dinnendahl die Fabrik zu seiner Gießerei in die Nähe der Spillenburg (Bergerhausen).

Der Industriepionier Franz Dinnendahl (1775-1826) (Originalvorlage verschollen)
Franz Dinnendahl
Dr. Franz Wilhelm Flashoff in seinem Laboratorium, 1816/18, kolorierte Federzeichnung. Der Essener Apotheker experimentierte mit einer Gasbeleuchtung, die Franz Dinnendahl in seiner Fabrik installieren ließ (Ruhrlandmuseum Essen)
Wilhelm Flashoff