Viehofer Tor

1244 beschlossen die Bürger der Stadt und die Dienstleute des Stiftes Essen den Bau einer Stadtmauer. Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts zog sich die Ausführung dieser gewaltigen Baumaßnahme hin. Die Mauer umschloss die Stadt bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Das Viehofer Tor ist nach dem Viehof, dem einst im Nordosten der Innenstadt gelegenen Fronhof des Essener Damenstifts, benannt. Dem Viehof oblag die Versorgung des Stifts mit Fleisch und Milchprodukten. Er gehörte vermutlich schon zur Gründungsausstattung des Stifts; auf seinem Gelände entwickelte sich eine Handwerker- und Händlersiedlung zur Stadt Essen. Über das Aussehen des Tores geben Ansichten des 16. und 17. Jahrhunderts spärliche Hinweise. Wie auch bei den anderen drei Stadttoren, wird es sich um ein turmförmiges Haupttor gehandelt haben, von dem aus zwei Torwangen über den Stadtgraben hinweg zum Vortor führten. Im Frühjahr 1995 wurden im Norden der Essener Innenstadt erstmals archäologische Beobachtungen gemacht. Durch Bauarbeiten im Bereich des ehemaligen Viehofer Tores ließ sich in intakter Befundlage unter modernen Schichten ein Nord-Süd orientierter Mauerzug feststellen: dort, wo nach alten Plänen auch die linke Torwange des Viehofer Tores vermutet wurde. Die Reste der Mauer, deren Breite nicht ermittelt werden konnte, waren noch bis zu 1,50 m hoch erhalten. Aus einer in den gewachsenen Boden eingetieften Arbeitsgrube für diese Mauern konnten einige Funde geborgen werden: neben Tierknochen vor allem Scherben des 14./15. Jahrhunderts. Heute sind die archäologischen Befunde wieder zugeschüttet und liegen geschützt unter dem modernen Straßenpflaster.

Ausschnitt aus der Stadtansicht eines unbekannten Künstlers, um 1680
Ausschnitt aus der Stadtansicht eines unbekannten Künstlers, um 1680
Blick in die Baugrube: Fundamentreste des Viehofer Tores und Kanalschacht, 1995
Blick in die Baugrube: Fundamentreste des Viehofer Tores und Kanalschacht, 1995