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Donnerstag, 10. Mai, PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Karsten Plewnia   
Dienstag, den 08. Mai 2007 um 10:05 Uhr

Donnerstag, 10. Mai, 19.00 Uhr

Vortrag Kai Lohsträter, M.A. (LWL-Freilichtmuseum Hagen)

Zwischen Waisenhäusern zund Weltpolitik. Die Entwicklung des Pressewesens in Essen und der Region im 18. Jahrhundert

(Haus der Technik, Hollestr. 1)

 

Vor über 400 Jahren erschienen die ersten gedruckten, periodischen Zeitungen im deutschen Sprachraum. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Medium zum quantitativ bedeutendsten weltlichen Lesestoff neben dem Kalender. Umfassend und zuverlässig informierten die Zeitungen ihre Leser über die Ereignisse in der Welt. Mit ihrem pädagogischen Anspruch, ihrer Zukunftsgewandtheit, der inhärenten Erwartung von Neuigkeiten und Veränderungen, ihrem rational und säkular geprägtem Stil waren sie bedeutende Bausteine der Moderne und der Aufklärung. Sie stimulierten zum Räsonnement und förderten das Urteilsvermögens des Publikums.

In Essen erschien die erste Zeitung im Sommer 1741. Die Essendischen Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen waren das erste politische Nachrichtenblatt in der sich zwischen Dortmund und Duisburg erstreckenden Region des heutigen Ruhrgebietes. Anfangs diente die zweimal wöchentlich erscheinende Zeitung der Mitfinanzierung des lutherischen Waisenhauses in Essen, das eng an die vorbildhafte Initiative des Hallischen Theologen August Hermann Francke (1663-1727) angelehnt war. Die Nutzung des Mediums zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung für eltern- und mittellose Kinder gehörte zu den praktischen Umsetzungen der pietistisch motivierten Ideen Franckes. Der Einfluss, den der Hallische Pietismus auf die Entwicklung des Pressewesens hatte, wurde zu einem wichtigen, bislang jedoch nur wenig beachteten Element für die Verbreitung aufklärerischer Ideen in der Region. Über die Lektüre der Essener Zeitung wurde ein breiter werdendes Publikum in die Lage versetzt, die engen territorialen Grenzen des 18. Jahrhundert zu überschreiten und seinen Blick in die Welt zu erweitern. Absatz fanden die Essendischen Nachrichten nicht nur in der Verlagsstadt selbst, sondern auch in der umliegenden Nachbarschaft, in Teilen der Herzogtümer Berg und Kleve sowie der Grafschaft Mark. Von ihnen ausgehend entstanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Reichsstadt Dortmund, in Elberfeld und Mülheim weitere regionale Zeitungen. Sie alle waren mehr oder weniger eng mit dem Essener Vorbild verbunden oder zumindest von ihm motiviert.

Die kommunikationsgeschichtliche Untersuchung des Pressewesens und seiner Protagonisten ermöglicht neue Einblicke in die vielfältigen historisch-kulturellen Verbindungen der Region zwischen Dortmund und Duisburg. Sie bietet darüber hinaus eine neue Perspektive auf infrastrukturelle Veränderungen und die einschneidenden politischen Entwicklungen des endenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts.

 

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